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08.08.2007 

„Einem Drittel der Rentner wird es sehr gut gehen, ein weiteres wird zurechtkommen. Einem Drittel wird es finanziell wirklich schlecht gehen“, wagt der Ökonom Gert Wagner eine Prognose. Als Grund sieht Herbert Rische, der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, vor allem den Trend zu Patchwork-Biographien: Die 45 Beitragsjahre des modellhaften „Eckrentners“ erreichen immer weniger Arbeitnehmer. Unterbrechungen der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung durch Arbeitslosigkeit oder Selbstständigkeit führen zu Einbußen bei der Rente. Am Ende bleibt unter Umständen ein Anspruch knapp über der Sozialhilfe.

Davor sollte nicht nur der Staat die künftigen Ruheständler bewahren. Auch sich selbst muss er vor den drohenden Ansprüchen an die Sozialhilfe und die gesetzliche Grundsicherung schützen. Schließlich muss hierzulande zum Glück niemand hungern. Reicht die Rente nicht zum Leben, springt der Staat ein. Doch kann es nicht der Sinn heutiger Rentenreformen sein, neue Milliardenlasten auf die Steuerzahler der Jahre 2020 bis 2040 abzuwälzen.

Also liegt es im allgemeinen politischen Interesse, durch rechtzeitige und ausreichende Vorsorge die Zahl der künftigen Bedürftigen möglichst gering zu halten. Was kann die Koalition dafür tun? Mit der weiteren Förderung der Betriebsrenten stellt das Kabinett heute eine erste Weiche. Eine finanzielle Aufstockung der recht üppigen Riester-Förderung ist weder sinnvoll noch finanzierbar. Wichtig ist aber, dass durch das aktuelle Modethema „Investivlohn“ keine Fehlanreize geschaffen werden, die Mittel für die Altersvorsorge am Ende absaugen.

Doch neben finanzielle Anreize muss wahrscheinlich auch sanfter Druck treten. Mit Spannung erwartet man in Berlin derzeit eine umfassende Studie über die tatsächliche Verbreitung von Privat- und Betriebsrentenverträgen. Sollten sich zeigen, dass ganze Bevölkerungsgruppen zu wenig fürs Alter zurücklegen, muss die Koalition dringend gegensteuern. Ein allgemeiner Zwang zur Vorsorge ist kompliziert umzusetzen. Sehr gut möglich wäre jedoch, nach amerikanischem Vorbild ein Opting-out-Modell einzuführen: Jeder Beschäftigte schließt bei der Einstellung automatisch eine betriebliche Altersvorsorge ab, wenn er nicht ausdrücklich widerspricht.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Eine sozialpolitische Zeitbombe tickt.

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