Vorstandschefs schalten sich in Kapitalismusdebatte ein
Die Wirtschaft wehrt sich

Die Spitzenmanager deutscher Konzerne weisen die Kritik von SPD-Chef Franz Müntefering an Unternehmern und Finanzinvestoren als „diffamierend“ zurück. Keiner der vom Handelsblatt befragten Vorstandschefs heizt jedoch den heftigen öffentlichen Streit weiter an. Im Gegenteil: Sie mahnen zu einer sachlichen Auseinandersetzung. Damit schalten sich die Manager erstmals nachdrücklich in die seit nunmehr drei Wochen laufende Diskussion ein. Müntefering verteidigte gestern seine Thesen.

fo DÜSSELDORF.„Niemand wird ernsthaft wollen, dass wir uns als eine vom Welthandel extrem stark abhängige Exportnation aus der offenen Weltwirtschaft verabschieden“, sagte Bosch-Chef Franz Fehrenbach. BASF-Chef Jürgen Hambrecht hält die Kapitalismusdebatte für eine Grundsatzentscheidung: „Es geht nicht darum, wer demnächst die Wahl gewinnt. Es geht um die Antwort auf eine schlichte Frage: Wie wollen wir in Deutschland leben?“

Müntefering hatte Mitte April erstmals massiv Kritik am Verhalten der Manager und Unternehmer geübt und ihnen unter anderem einseitige Renditeorientierung vorgehalten. Letzte Woche legte der SPD-Parteichef nach und veröffentlichte ein Argumentationspapier „Marktradikalismus statt sozialer Marktwirtschaft“, in dem er insbesondere Finanzinvestoren angreift. Der Vorwurf des SPD-Chefs: Die Investoren fielen wie Heuschrecken über die Unternehmen her, grasten sie ab und zögen dann weiter. In dem Papier wurden mehrere Private-Equity-Häuser namentlich erwähnt. Heftige Kritik erntete Müntefering daraufhin von dem Münchener Historiker Michael Wolffsohn. Der Heuschrecken-Vergleich stehe für „unerträgliche Sprach- und Denkmuster“, die ihn an Hetzparolen aus der Zeit des Nationalsozialismus erinnerten, schrieb Wolffsohn.

Müntefering räumte am Donnerstag ein, der Heuschrecken-Vergleich sei sehr deutlich und drastisch gewesen. Aber er finde es „gut, dass die Debatte so intensiv geführt wird“. Es gehe darum, ob sich der Primat der Politik durchsetze oder aber der Leitsatz: „Das Geld regiert die Welt.“

Nach Beobachtung der Manager wird der Streit seit Wolffsohns Kritik an den Müntefering-Äußerungen auch verstärkt im Ausland wahrgenommen. Zuvor, sagten Vertreter der zumeist aus Großbritannien und den USA stammenden Investmentfirmen, sei der Streit als Wahlkampfthema eingestuft worden. Nun jedoch höre man genauer hin.

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