Vorstandstagung: Steinbrück und die Gefahr der Zwangsjacke

Vorstandstagung
Steinbrück und die Gefahr der Zwangsjacke

Wie viele Freiheiten bekommt Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in seinem Wahlkampf? Die Parteispitze findet die Debatte müßig – und freut sich stattdessen auf der Klausurtagung in Potsdam über die Ansage der Union.
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PotsdamAm Morgen kommt erstmal der Milliardär zur SPD. Doch Microsoft-Gründer Bill Gates geht es am Templiner See in Potsdam nicht um Anlagetipps für vermögende Sozialdemokraten. Der zweitreichste Mann der Welt will mit seiner Stiftung Impfprogramme in Afrika voranbringen - und kommt zur Vorstellung seiner Pläne zur SPD-Vorstandsklausur. SPD-Chef Sigmar Gabriel verspricht, nicht bei der Entwicklungshilfe zu sparen. Gates wiederum unterstützt die SPD beim Dringen auf eine Finanzmarktsteuer, damit mehr Geld in arme Länder gelenkt werde.

Doch abseits dieses netten Programmpunktes steht bei der Klausur am Montag ein weniger vermögender Mann im Fokus, der aber bei Vorträgen einen bemerkenswerten Marktwert vorweisen kann. Nach dem rot-grünen Erfolg in Niedersachsen kann Peer Steinbrück durchschnaufen. Aber wegen seiner nicht gerade starken Position spielt in Potsdam die Frage eine Rolle, ob die SPD ihren Kanzlerkandidaten mit einem linken Programm einmauert und ob Gabriel ihm im Wahlkampf weniger Freiheiten zubilligen könnte

Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier findet die Debatte müßig, ob Steinbrück das Thema soziale Gerechtigkeit glaubhaft verkörpern könne. „Wer ihn kennt, weiß, dass er nah dran ist“, sagt Steinmeier. Spekulationen über das Schattenkabinett lehnt er ab: „Das ist eine Selbstbeschäftigung der Medien.“ Gabriel ist da noch deutlicher, was die Steinbrück-Debatten anbelangt. „Ich halte dieses ganze Hobby-Freud-Gequatsche im deutschen Journalismus für Kokolores“, sagt er.

Die neue Zauberformel der SPD heißt: „Wahlkampf von unten“ – nicht weniger als fünf Millionen Hausbesuche hat sich die SPD für die heiße Phase ab August vorgenommen – auch Peer Steinbrück soll beim Bürger klingeln. Er versucht alle Zweifel zu zerstreuen, dass er das Thema soziale Gerechtigkeit nicht glaubhaft vertreten könne und nicht Herr des Verfahrens beim Wahlprogramm sei. „Fast sechs Millionen Menschen arbeiten für weniger als sechs Euro“, sagt er zum Abschluss der Klausur. Auch Suppenküchen will er nun besuchen.

„Der Zusammenhalt in dieser Gesellschaft ist gefährdet“, warnt er. Die SPD verweist in ihrer Potsdamer Erklärung darauf, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehe. Steinbrück geht nun bis zur Verabschiedung des Wahlprogramms (14. April) auf Deutschlandtour. Er wolle seinen „Antennen-Apparat“ darauf ausrichten, was den Leuten unter den Nägeln brenne, umschreibt Steinbrück diese „Dialog-Phase“.

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Steinbrücks Fähigkeiten sind gefragt

Kommentare zu " Vorstandstagung: Steinbrück und die Gefahr der Zwangsjacke"

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  • Nun die breite Öffentlichkeit vertritt immer noch die Meinung, dass diese SPD mit Schröder „Reformen“ und Agenda 2010 die soziale Gerechtigkeit komplett abgeschafft hatte? Was davon übrig geblieben ist, wird sorgfältig von dem SPD-Nachfolger – Merkels Regierung vernichtet, ohne dafür schuldig gemacht zu werden!
    Und was sollen diese heuchlerischen Hausbesuche zeigen? Dass sogar nach Verbrechenbegehen der Verbrecher traut sich schamlos zu den Opfern zu kommen?! Ich hoffe, dass die Opfer aufgeklärt werden, wieso ihre Lage so miserabel ist. Ah, wir haben es schon! Nach Steinbrück „die miesere Lage aller Geringverdiener liegt nicht an SPD-„Reformen“ unter Schröder, sondern an Demografie, weil die Rentner in Deutschland die Frechheit haben, bis 18-20 Jahren nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben zu leben(!) Also, nach der Aussage ist es zu erwarten, dass Hausbesucher ausdrücklich den Opfern empfehlen werden, früher zu sterben, um noch Schlimmeres nicht zu erleben, aber erst bitte freundlicherweise für SPD abstimmen!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nachdem der Kanzlerkandidat Peer Steinbrück die Maske fallen ließ, ist nur noch ein raffgieriges „Skelett“ zu sehen. Dieser fürchterliche Mensch will Bundeskanzler werden, um danach wie Gerhard Schröder in einem Unternehmen abzukassieren.

    An Stelle der SPD würde ich Walter Steinmeier nachnominieren und den Steinbrück zum Teufel schicken.

    Ein Kanzlersprungbrett für Flöten und Geier. Ist das eine verkommene Gesellschaft. Die SPD ist in den sozialen Belangen schlimmer als die CDU.

    In unserer politischen Landschaft sehe ich nur noch Halsabschneider und Verbrecher. Alle raffen was das Zeug hält.

    Nun zur Situation:
    Sehen wird die vielen Landtagsabgeordneten und die vielen Bundestagabgeordneten die im Ruhestand sind und ihre prächtige Pension kassieren. Schauen wir uns an, was das Management in der Deutschen Industrie und Bankenwelt aus dem Wirtschaftskreislauf abschöpft. Immer mehr Menschen verdienen hingegen sehr wenig. Das Einkommen liegt weit unterhalb einem Existenzminimum. Woher sollen die Sozialbeiträge kommen, um alles bezahlen zu können.

    Das Sozialsystem ist dabei zu kollabieren.
    Es ist dringend nötig, dass alle monatlichen Bezüge über 3.000,- drastisch gekürzt werden. Die Einkommen der armen Bevölkerung müssen erheblich angehoben werden, um auch den Binnenmarkt zu stärken. Kleines Einkommen, kleiner Rentenbeitrag. Wo soll das noch hinführen?

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