Vorwürfe gegen die USA
Angriff sät Zwist in Afghanistan-Schutztruppe

Der von der Bundeswehr befohlene Nato-Angriff auf zwei von Taliban entführte Tanklastzüge bei Kundus hat offenbar zu Verstimmungen in der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf geführt. Der Vorwurf: Die USA sollen gezielt Fehlinformationen gestreut haben.

HB OSNABRÜCK. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, reagieren hochrangige deutsche Militärs empört über angeblich von den USA gezielt gestreute Fehlinformationen in dem laufenden Untersuchungsverfahren. Hintergrund seien kritische Stellungnahmen des US-Generals und Nato-Befehlshabers Stanley McChrystal sowie ein Bericht der "Washington Post", in dem schwere Vorwürfe gegen den deutschen Kommandeur des Bundeswehrlagers in Kundus, Oberst Georg Klein, erhoben wurden.

Nach Ansicht deutscher Militärs sei der Bericht der US-Zeitung eine "bodenlose Frechheit", zitiert die "Neue Osnabrücker Zeitung" die ungenannte Quelle. Entgegen dem üblichen Verfahren hatte das siebenköpfige Nato-Untersuchungsteam von McChrystal einem US-Journalisten erlaubt, die Ermittlungen zu verfolgen. "Das stinkt zum Himmel", sagte ein Militär der deutschen Zeitung. In den vergangenen Jahren hätten sich zwischen den Verbündeten Verstimmungen aufgebaut, nicht zuletzt wegen der oft von deutscher Seite geäußerten Kritik am militärischen Vorgehen der USA.

Bei dem Luftangriff wurden nach Angaben des Distrikt-Gouverneurs von Char Darah mindestens 135 Menschen getötet, darunter auch Kinder. Gouverneur Abdul Wahid Omarkhel sagte der Agentur dpa am Montag, er habe eine Liste der Opfer erstellt und der Delegation von Präsident Hamid Karsai übergeben, die den Vorfall untersucht. Es sei unklar, wie viele der Toten Zivilisten gewesen seien. Unter den Opfern sei aber eine große Anzahl Kinder im Alter zwischen zehn und 16 Jahren. Auch die Nato-Schutztruppe Isaf untersucht den Luftangriff vom Freitag.

Ein Mitglied der Karsai-Delegation, das anonym bleiben wollte, bestätigte den Erhalt der Liste. Die Angaben würden überprüft, hieß es. Gouverneur Omarkhel sagte nach Gesprächen mit Stammesältesten und Dorfbewohnern, 107 Menschen aus dem Distrikt Char Darah seien getötet worden. 15 weitere Opfer seien aus der Provinz Baghlan gewesen, die neben Kundus liegt. Mehr als zwölf der Toten stammten aus dem Distrikt Ali Abad, der an Char Darah anschließt. Die Fremden hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs in Char Darah aufgehalten. 27 Menschen seien bei dem Bombardement verletzt worden.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) rückte inzwischen von seiner strikten Aussage ab, wonach es bei dem Angriff keine zivilen Opfer gegeben habe. Eindeutig scheine ihm, „dass der überwiegende Anteil Taliban gewesen sind“, sagte Jung im ZDF. Noch am Sonntag war der Minister bei seiner Darstellung geblieben, es seien wenig mehr als 50 Taliban gestorben, aber keine Zivilisten.

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