Vorwurf der Bestechlichkeit
Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker wird angeklagt

Mehr als elf Jahre waren Ex-Bundespräsident Christian Wulff und sein Sprecher Olaf Glaeseker untrennbar. Das ist lange her. Schon bald könnte es aber ein unfreiwilliges Wiedersehen geben – vor Gericht.
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HannoverSeit neun Monaten herrscht Funkstille zwischen Christian Wulff und Olaf Glaeseker. Im Juni 2012 haben sich der Ex-Bundespräsident und sein Ex-Sprecher zuletzt gesehen – Wulff hatte seinen „siamesischen Zwilling“, wie er ihn einmal nannte, in Hannover zu seiner Feier zum 53. Geburtstag eingeladen. Wenn es nach dem Willen der Justiz geht, könnte es aber schon bald ein unfreiwilliges Wiedersehen geben. Nach der am Mittwoch erfolgten Anklageerhebung gegen Glaeseker wegen des Verdachts der Bestechlichkeit könnte Wulff – ungeachtet seines eigenen Verfahrens wegen möglicher Vorteilsnahme – als Zeuge vor Gericht geladen werden.

„Ob er geladen wird, müssen die Richter entscheiden“, sagt Oliver Eisenhauer von der federführenden Staatsanwaltschaft Hannover. Wie immer ist die Behörde bedacht, das mediale Feuer klein zu halten. Kurz zuvor hatten die Ermittler per Fax die 134 Seiten umfassende Anklage zugestellt. „Das ist extrem ungewöhnlich“, findet Glaesekers Anwalt Guido Frings.

Obwohl Wulff nur einer von 47 Zeugen in der umfangreichen Aktensammlung der Staatsanwaltschaft ist, dürfte sein Auftritt vor Gericht ein bedeutender Moment im Prozess werden. Wulff hatte – wie es heißt – übrigens vier Tage nach der besagten Geburtstagsfeier erstmals gegen Glaeseker ausgesagt.

Glaesekers Erscheinen bei Wulffs Geburtstag war somit wohl nicht mehr als ein Höflichkeitsbesuch, geschuldet der mehr als elfjährigen Freundschaft. Denn der Bruch ist spätestens seit dem 20. Dezember 2011 ein offenes Geheimnis. Die Entlassung Glaesekers als Präsidentensprecher vier Tage vor Weihnachten war nur anfangs überraschend. Inzwischen ist bekannt, dass die Freundschaft schon in den Monaten zuvor nach Wulffs Wahl zum Staatsoberhaupt gelitten hatte - menschliche Enttäuschungen inklusive.

Weder Glaeseker noch Wulff haben sich bislang offiziell zu dem Bruch geäußert. Einzig ihre Anwälte kommunizieren miteinander – das aber eher wortkarg und nie direkt, sondern nur auf Anfrage in Artikeln von Journalisten.

Eine Zeugenaussage Wulffs hätte möglicherweise aber nicht nur für Glaeseker Konsequenzen, sondern auch für ihn selbst. Immerhin war Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident nicht nur Schirmherr des Nord-Süd-Dialogs, sondern auch einer der Initiatoren der umstrittenen Lobby-Party – und dürfte daher bestens informiert gewesen sein.

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Auch gegen Wulff wird seit einem Jahr ermittelt

Kommentare zu " Vorwurf der Bestechlichkeit: Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker wird angeklagt"

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  • Ein Bauernopfer. Wulff wird frei gelassen, der Sprecher kommt vor den Kadi.

  • Enge Freunde, Ehrenmänner usw.. In dubio pro reo, und schon geht es aus wie die Schäublesche Kofferaffaire. Ein bischen verhandeln, dann vertagen und am Ende gibts einen kleinen Strafbefehl, wenns hoch kommt. Die korrupte Polit-Bande hat doch bis jetzt noch nicht die EU-Richtlinie zur Korruptionsbekämpfung umgesetzt. Weil sie dann nämlich auch für ihre Bestechlichkeit in den Knast müsste.

  • irgendwie wird in der WULLF Affaire alles ziemlich kleinlich behandelt, da gibt es doch ganz andere gravierende Sachen im Banker - und Unternehmensmilieun hier aber hoert man reichlich wenig, schade !

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