Vorzeigeprojekt „Haus Overbach“
Wie ein Science College entsteht

Das Gymnasium und Internat "Haus Overbach“ bei Jülich packt das Problem des Fachkräftemangels an der Wurzel: Die Schule wurde schrittweise auf einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt ausgerichtet – mit Erfolg, wie die Schüler zu beweisen verstehen. Nun soll der nächste logische Schritt folgen.

BARMEN. Barmen in der Nähe von Jülich ist ein verwunschener Ort mit einem Wasserschloss, in dessen Festungsgraben Enten schwimmen. Das trutzige Herrenhaus "Haus Overbach“ und die angrenzenden neuen Gebäude beherbergen ein Gymnasium für 900 Schüler und ein Internat für 60 Schüler. Doch in den idyllischen Gemäuern steckt eine innovative Hochburg für Naturwissenschaften. Denn seit Schulleiter Heinz Lingen 1989 das altsprachliche Gymnasium des Klosterordens des heiligen Franz von Sales übernommen hat, baut er es mit dem Segen des Ordens systematisch zu einer Schule mit naturwissenschaftlichem Profil aus.

Die Schüler experimentieren in offenen Labors, sie treffen mit internationalen Wissenschaftlern zusammen und lernen Forschungseinrichtungen kennen. Schon vor sieben Jahren wurde das Gymnasium zur "Mint-EC“-Schule zertifiziert, weil es sich für die Vermittlung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) einsetzt.

Doch Lingen will die Zyklen verkürzen, in denen Wissen von der Universität in die Schulen kommt. "Es ist nie genug, was wir tun können, um Kinder an Technik und Naturwissenschaften heranzuführen“, sagt der 54-Jährige, der selbst Physiklehrer ist. Aus diesem "nie genug“ entstand die Idee, ein Science College zu etablieren. Der Gedanke dahinter: Warum sollte man nicht die langjährigen Kontakte zu Universitäten, Forschungsstätten und Unternehmen nutzen, um einen Lernort aufzubauen, in dem Schüler aus der Region gemeinsam mit Wissenschaftlern und Lehrern experimentieren können?

Ein Trägerverein wurde gegründet, und der agile Schulleiter gewann prominente Fürsprecher wie Joachim Treusch, der bis 2006 Leiter des Jülicher Forschungszentrums war. Etwa sieben Millionen Euro soll das Science College kosten. Viele Firmen wurden als Sponsoren gefunden, darunter das Pharmaunternehmen Grünenthal und die Philips Forschungslaboratorien Aachen. Auch die Vereinigten Industrieverbände Düren-Jülich-Euskirchen unterstützen das Vorhaben. Weitere Sponsoren werden noch gesucht. Das Land Nordrhein-Westfalen finanziert das Projekt unter anderem im Rahmen des Strukturentwicklungsfonds EuRegionale 2008 über das Ministerium für Bauen und Verkehr.

Im April 2008 soll der erste Spatenstich erfolgen, doch noch existiert das Zentrum für begabte, junge Forscher nur auf dem Papier. Zehn Architekten reichten unentgeltlich Pläne für das neue Seminarhaus ein; ein Gremium entschied sich für den Entwurf des Aachener Büros Hahn-Helten. Das neue Science College soll nicht nur inhaltlich neue Maßstäbe für das Gymnasium Overbach setzen, auch äußerlich wird es sich abheben. Geplant ist ein futuristisches Gebäude, das in einen alten Vierkanthof gebaut und neben dem Herrenhaus und den Klostergebäuden aussehen wird wie ein Raumschiff, das in einem anderen Jahrhundert gelandet ist.

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