VW-Affäre: Bafin prüft Wulffs Rolle im Porsche-Übernahmekampf

VW-Affäre
Bafin prüft Wulffs Rolle im Porsche-Übernahmekampf

Die Finanzaufsicht Bafin überprüft angeblich die Rolle Christian Wulffs im Übernahmekampf zwischen Porsche und VW. Der damalige VW-Aufsichtsrat Wulff soll von den Plänen gewusst haben, er hätte die Öffentlichkeit informieren müssen.
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HamburgDer Wirbel um den gerade vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetretenen Christian Wulff geht weiter. Die Finanzaufsicht Bafin prüft einem Bericht des "Spiegel" zufolge, ob der damalige niedersächsische Ministerpräsident Wulff im Übernahmekampf zwischen VW und Porsche gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat. Möglicherweise hätte der CDU-Politiker und damalige VW-Aufsichtsrat eine Ad-hoc-Meldung herausgeben müssen, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Grund dafür sei ein interner Vermerk der Staatskanzlei vom 12. Februar 2008, in dem Mathias Middelberg, damals Chef der Wirtschaftsabteilung in der Hannoveraner Staatskanzlei, Wulff mitgeteilte, dass Porsches mittelfristiges Ziel „der Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages“ sei. Für einen derartigen Beherrschungsvertrag benötigte Porsche mindestens 75 Prozent der VW-Aktien. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, hätte Wulff bereits frühzeitig Kenntnis über die Übernahmepläne Porsches gehabt.

Dies könnte vor dem Hintergrund der Schadenersatzforderungen von Anlegern in Zusammenhang mit den Übernahmeplänen von Porsche eine Rolle spielen. Denn Wulff informierte weder den VW-Aufsichtsrat noch die Öffentlichkeit über die Pläne.


Porsche hatte bis zum 26. Oktober 2008 stets abgestritten, einen Aktienanteil von 75 Prozent bei VW anzustreben. Deshalb haben viele Anleger auf sinkende VW-Kurse gesetzt und Milliarden verloren, als Porsche dann erklärte, der Sportwagenbauer strebe doch 75 Prozent bei VW an. Der Kurs war kurzfristig auf über 1000 Euro gestiegen. Laut "Spiegel" hätte Wulff nach Ansicht von Kapitalmarktexperten nach dem Vermerk seines Mitarbeiters den VW-Aufsichtsrat über diese Information unterrichten müssen.

Middelberg hatte den Schadenersatzforderungen Anfang Januar wenig Chancen eingeräumt. „Wir wussten nicht definitiv, dass Porsche VW übernehmen wollte“, sagte er damals. Dass Wulff pflichtwidrig Informationen zurückgehalten habe, halte er für ausgeschlossen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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