VW und Dieselgate
Umwelt- und Verbraucherverbände klagen über Mogelpackung

Volkswagen habe nicht nur US-Behörden über die Abgaswerte seiner Dieselmodelle belogen, sondern auch die Käufer der Fahrzeuge, kritisieren Umwelt- und Verbraucherverbände. Die Reaktionen der Politik seien „heuchlerisch“.

BerlinJürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), hält die Reaktionen der Politik auf den VW-Emissionsschutz für „heuchlerisch“. Es sei eine Tatsache, „dass die realen Emissionen höher sind als die, die die Hersteller propagieren. Das ist seit Jahren bekannt", sagte Resch dem Handelsblatt. „Das betrifft nicht nur VW – und nicht nur Amerika.“ Es sei gut, dass das Thema nun mit Rückenwind aus Amerika nun auf die politische Bühne komme.

Resch forderte „endlich behördliche Nachkontrollen – und zwar nicht auf dem Prüfstand, sondern im realen Gebrauch der Fahrzeuge.“ Die DUH habe die Bundesregierung bereits vor einem halben Jahr dazu aufgefordert, die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollmessungen durchzuführen. Nach DUH-Angaben regeln ebenso wie in den USA auch in Deutschland Verordnungen, dass die Abgasgrenzwerte nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im Normalbetrieb eingehalten werden müssen. Der Unterschied: Das Kraftfahrtbundesamt verweigere die Durchführung der Kontrollmessungen.

„Die Verbraucher haben ein Recht darauf, dass die Abgaswerte stimmen“, sagte Resch, „genauso wie sie einen Anspruch darauf haben, dass die Bremse funktioniert.“

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) reagierte verärgert. „Die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte wurde bislang offenbar gar nicht kontrolliert – auf Kosten der Umwelt, aber auch der Verbraucher“, kritisiert Klaus Müller, Vorstand des vzbv. Verbrauchertäuschung sei kein Kavaliersdelikt. Sollten auch Käufer von Fahrzeugen in Deutschland betroffen sein, stelle sich auch hierzulande die Frage nach Schadensersatz. „Verbraucher würden dann zweifach getäuscht: Zum einen wollen sie mit einem „sauberen Diesel“ ein umweltverträgliches Auto erwerben.

Zum anderen kaufen sie deutsche Autos, weil sie Qualität schätzen und dafür tief in die Tasche greifen“, so Müller. Die Bundesregierung und die EU müssten Prüfverfahren und Autos in Zukunft stärker kontrollieren und regulieren. „Bei anderen Produkten, wie Elektrogeräten, werden Energieverbrauchsangaben stichprobenartig durch Marktüberwachungsbehörden kontrolliert. Dies solle auch bei dem hochinvestiven Konsumprodukt Auto selbstverständlich sein.“

Seite 1:

Umwelt- und Verbraucherverbände klagen über Mogelpackung

Seite 2:

„Die USA sind bei der Emissionskontrolle schon weiter“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%