Wähler-Umfrage Sarrazin zieht die SPD nach unten

Die Affäre-Sarrazin wird zu einem ernsthaften Problem für die SPD. Laut einer Umfrage sind die Genossen in der Wählergunst abgesackt - und zwar auf den schlechtesten Wert seit Monaten. Allerdings wandern die Wähler nicht ab, weil ihnen die Thesen Sarrazins nicht gefallen.
9 Kommentare
Thilo Sarrazin kann die SPD nicht kalt lassen. Quelle: dpa

Thilo Sarrazin kann die SPD nicht kalt lassen.

(Foto: dpa)

HB BERLIN. Die Debatte um Thesen und Ausschluss ihres umstrittenen Mitglieds Thilo Sarrazin lässt die SPD in der Wählergunst sinken. Gegenüber der Vorwoche büßten die Sozialdemokraten zwei Punkte auf 25 Prozent ein und fielen damit auf den schlechtesten Wert seit Mitte Mai, wie am Mittwoch aus einer Forsa-Umfrage für die Illustrierte „Stern“ und den Sender RTL hervorging.

Nutznießer sind die Grünen, die um zwei Punkte auf 21 Prozent und damit auf ein neues Allzeithoch kletterten. Die Linken legten einen Punkt auf zehn Prozent zu. Die Union trat hingegen auf der Stelle und verharrte auf 31 Prozent. Für die FDP ging es um einen Punkt nach unten auf fünf Prozent. Mit 56 Prozent lag das Lager aus SPD, Grünen und Linkpartei 20 Punkte vor Union und FDP.

Forsa-Chef Manfred Güllner erklärte den Stimmenverlust der SPD damit, dass vielen ihrer Anhänger das, was Sarrazin anspreche, auf den Nägeln brenne. Gerade bei Arbeitern und ärmeren Schichten sei die Zustimmung zu den Thesen des ehemaligen Berliner Finanzsenators groß. „Die sind sauer, dass die SPD ihre Energie auf den Parteiausschluss Sarrazins verschwendet, statt sich um ihre Probleme zu kümmern“, sagte Güllner weiter. Die Grünen würden profitieren, da deren Wähler Sarrazins Thesen am stärksten ablehnten.

Sarrazin hatte in der hitzigen Debatte über sein integrationskritisches Buch unter anderem davon gesprochen, dass alle Juden ein bestimmtes Gen teilten. Zudem warnte er vor einer Überfremdung Deutschlands durch weniger intelligente Ausländer. Die Bundesbank hatte daraufhin bei Bundespräsident Christian Wulff die Ablösung ihres Vorstandsmitglieds beantragt. Für die Erhebung wurden 2503 Wahlberechtigte zwischen dem 30. August und dem 3. September befragt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Wähler-Umfrage - Sarrazin zieht die SPD nach unten

9 Kommentare zu "Wähler-Umfrage: Sarrazin zieht die SPD nach unten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wann endlich begreift die Kaste der berufspolitiker der sogenannten Volksparteien, dass sie im begriff sind, sich abzuschaffen. Die Zusammensetzung der Parlamente reflektiert schon seit Jahrzehnten nicht mehr die Struktur der bevölkerung. bekommen diese noch Grundströmungen mit?
    Die massenhaften Verweigerungen an Wahlen teilzunehmen, sind Alarmsignale, die bisher auf die leichte Schulter genommen wurden. Aber der Fall Sarazin und auch Stuttgart-21 sind nunmehr indikatoren, dass eine neue Qualität erreicht wurde. Selbst die Mitglieder der Partei verweigern der politischen Elite - was es durch Leistungen und Weisheit zu belegen gilt - die Gefolgschaft. Sie wollen sich nicht mehr bevormunden lassen.

  • Die wahre Ein- und Zuwandererpartei waren immer die GRÜNEN. Deutschland, das gelobte Land aller Asylanten dieser Welt, der armen Araber und lernunwilligen Türken, .... wir werden für Euch sorgen und die Steuergelder unserer fleißigen bürger für euch und weitere bildungsprogramme, wie seit über 30 Jahren, verwenden. Die Klientel der Grünen wird ihre Kinder nicht in Schulen schicken, in denen überwiegend Kinder aus dem ehemals osmanischen Reich (Araber, Türken) eingeschult sind. Sonst wachsen diese womöglich in berlin noch doppelsprachig auf. Die einzige Partei mit einem Türken als Parteichef, erfährt sicher ihren Zulauf auch aus dem bereich der muslimischen Migranten. Für alle anderen Parteien wahrscheinlich überlegenswert. Das wäre doch wahre integration.

  • Was Güllner sagt, erscheint mir im Hinblick auf die Stimmerverschiebung von SPD zu den Grünen unlogisch.

    Wenn Forsa mich mal fragen würde, könnte demnach die SPD auch bei NULL landen.

  • Nicht Sarrazin zieht die SPD nach unten, sondern Gabriel & Genossen! Sie sind auch noch blind und blöd genug, das nicht zu merken. Deswegen werden sie ihren Holzweg lernresistent weiter beschreiten, bis sie in der bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Natürlich ist dann wieder Sarrazin schuld. Was sagen eigentlich Genossen, wie Helmut Schmidt und Dohnany dazu?

  • Die Forsa-interpretation der Umfrage, die interessanterweise selbst nicht vorgestellt wird, ist ein ausgemachtes Lügengebäude! Wenn die SPD wegen Sarrazin Wähler verliert, weil den Parteispitzen dessen Thesen nicht passen, würden gerade diese Wähler doch bestimmt nicht zu den Grünen und den Linken abwandern. Genau das passiert nach Forsa-Umfrage aber, und so kann man doch nur darauf schließen, dass diese Wähler abwandern, weil sie eine Partei nicht stützen wollen, die sich von ihrem ausgesprochen rechtslastigen Chefdemagogen einfach nicht trennen kann. Für wie blöd wollt ihr uns eigentlich noch verkaufen?

    Auf einem anderen blatt steht natürlich, dass die SPD tatsächlich die Zustimmung anderer Wähler verlieren wird, wenn sie sich von Sarrazin endlich lossagt. Die werden dann aber sicher nicht zu den Grünen oder den Linken abwandern.

  • Die Überschrift ist ja wohl ein Ausbund an Peinlichkeit! Nicht Sarrazin zieht die SPD nach unten, sondern Nahles, Gabriel, Wowereit, etc. Nämlich damit, wie sie mit Sarrazin umspringen! Peinlicher geht's kaum, liebes Handelsblatt!

  • @MK13, sehe ich genauso. Komisch das dann die Medien sofort zu diesem Friedmann laufen und den nach seiner Meinung fragen. ich sehe in Sarazzins Statement zu den Genen keine beleidigung. Es kann doch nicht sein das man das Wort Jude und Gene , Jude und x-beliebiges negatives Wort nicht kombinieren darf. Es sind Menschen wie alle anderen auch. Das Unrecht welches unsere Grossväter den Juden angetan haben hat mit uns nichts zu tun. Wir tragen allerdings die Gene unserer Väter. Möchte man also sagen das wir Deutschen ein "Rassisten Gen " haben ?

  • Der ganze letzte Abschnitt ist völliger blödsinn.
    Sarrazins Worte im bezug auf das Juden Gen werden völlig aus dem Kontext gerissen. Er sprach nicht direkt von einem Juden Gen, vielmehr von einem Gen, welches verschiedene ethnische Gruppen identifiziert. Juden hätten ein bestimmtes Gen, Türken hätten ein bestimmtes Gen, Schweden ebenso, Chinesen, etc. auch.
    Aber sein „Fehler“ war es die Juden ins Gespräch zu bringen. Juden sind ein rotes Tuch für jeden, nicht nur in Deutschland. Aber warum? Natürlich, der Holocaust lässt sich nicht leugnen, aber andere Völker haben eben auch solche Massaker angerichtet. Man denke an die China und Tibet. Man denke an Russland und Tschetschenien.
    Es gibt sogar ethnische Gruppen die sich mit ihrer „besonderheit“ brüsten.
    Dabei denke ich an die basken, die nur ihres gleichen Heiraten um ihre Gene nicht mit anderen zu vermischen.
    Auch die Aussage mit dem Ausschlussantrag ist so nicht korrekt; Der Ausschlussantrag wurde auf Merkels, ich würde fast schon Drängen sagen, hin ins Auge gefasst.

  • die überschrift ist m.e. falsch: nicht sarrazin zieht die spd nach unten, sondern der umgang der parteispitze mit der meinungsfreiheit und dem willen der bevölkerung. die zeit, in der uns politiker vorschreiben, was wir zu denken und zu sagen haben, scheint dank sarrazin vorläufig vorbei zu sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%