Wählergunst
Umfrageschock: Linkspartei punktet kräftig

Die Aufregung im politischen Berlin ist groß: Wird es nach dem 27. September nun doch nichts mit der schwarz-gelben Bundesregierung, die sich schon so deutlich am Prognosehimmel abzeichnete? Schuld ist die Linkspartei, die bei der jüngsten Fortsa-Umfrage deutlich zulegen konnte.

BERLIN. Bei Forsa hat die Linkspartei binnen einer Woche satte vier Punkte zugelegt und notiert nun bei 14 Prozent. Das bürgerliche Lager ist erstmals seit Januar unter die 50-Prozent-Marke gerutscht.

Wie konnte das passieren? Fährt die Linke, die sich gern als "Friedenspartei" geriert, nun die Ernte ihres kategorischen Neins zum Afghanistan-Einsatz ein, weil ein deutscher Kommandeur Taliban und Zivilisten bombardieren ließ? Eher nicht, sagen Wahlforscher und Politiker. Denn die Nachrichten vom Hindukusch flossen nur zu einem geringen Teil noch zeitlich in die Umfrage ein.

Forsa-Chef Manfred Güllner selbst erklärt den Boom der Linken hauptsächlich mit der Diskussion über rot-rote Bündnisse in Thüringen und dem Saarland. Holger Liljeberg vom Meinungsforschungsinstitut Info ergänzt: "Am linken wie am rechten Rand trauen sich die Leute oft nicht, Sympathien zuzugeben. Das ändert sich, wenn sie sehen, dass diese Parteien auch von anderen gewählt werden." Dieser Effekt könne sich wieder verflüchtigen - "muss aber nicht".

Punkte macht seit den Landtagswahlen vor allem der Thüringer Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow. Er kommt bei Anne Will & Co. symphatisch und pragmatisch rüber, hat weder den Hautgout des abtrünnigen Verräters, der Lafontaine anhängt, noch den des amüsanten " Hofnarren" der Republik, Gregor Gysi.

Ein weiterer Aspekt komme hinzu, meint Güllner: "Es kehren wieder Leute zur Linken zurück, die sie während der Wirtschaftskrise verlassen haben." Das wirft die Frage auf: Wenn Afghanistan bisher nicht ausschlaggebend war, kann die Linke dann bis zur Wahl noch mehr Wähler gewinnen oder sich zumindest auf hohem Niveau stabilisieren?

Das Thema Afghanistan - so viel ist sicher - wird den Wahlkampf bis zum Ende prägen. Die Debatte hat mit den Bomben, die die Kanzlerin zu einer Regierungserklärung nötigten, erst begonnen. Soeben veröffentlichten beispielsweise 25 Künstler und Intellektuelle, darunter der Schriftsteller Martin Walser, einen Aufruf, die deutschen Truppen bis 2011 aus Afghanistan abzuziehen.

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