Währungsexperte
„Wenn ich die Regierung höre, packt mich die Wut“

Als die Mauer fiel, waren die Wirtschaftsweisen dringend gefragt. Wie lässt sich eine Plan- in eine Marktwirtschaft verwandeln? Der Währungsexperte Rüdiger Pohl war einer von ihnen. Im Handelsblatt-Interview spricht er darüber, wie Kanzler Helmut Kohl mit den Ratschlägen der Ökonomen umging und was er heute anders machen würde.
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Herr Pohl, der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl stand mit dem Projekt "Deutsche Einheit" auch wirtschaftspolitisch vor einer enormen Herausforderung. Was haben Sie ihm damals geraten?

Rüdiger Pohl: Wir haben ihm einen Brandbrief geschrieben, im Februar 1990. Da wurde die Sache ja erst so richtig heiß, weil Ingrid Matthäus-Maier, die damalige finanzpolitische Sprecherin der SPD, auf die absurde Idee kam, die Deutsche Mark in der ehemaligen DDR einzuführen. Daran haben wir Ökonomen als Letztes gedacht.

Warum? Die Ostdeutschen wollten nicht länger für Spielgeld arbeiten.

Pohl: Das Problem der DDR war nicht ihre Währung, sondern ihre Wettbewerbsfähigkeit. Alle Produkte, Möbel, Autos, egal was, gab es in Hülle und Fülle von der neuen Konkurrenz auf den Weltmärkten - in weit besserer Qualität. Ostprodukte wollte keiner mehr, erst recht nicht die Ostdeutschen, die zuvor zehn Jahre auf einen Trabi gewartet hatten.

Das heißt?

Nötig war eine schnelle Preisreform, Preise, die sich an den Kosten orientierten. Stattdessen über Nacht einen festen Wechselkurs einzuführen, war ein großer Fehler. Man weckte bei den Bürgern der DDR die Illusion, mit der Einführung der D-Mark sei der Anschluss an den westdeutschen Lebensstandard hergestellt.

Was nicht der Fall sein konnte?

Bei weitem nicht. In Statistiken stand zwar, die DDR sei die zehntstärkste Volkswirtschaft der Welt. Den tatsächlichen inneren Zustand der Wirtschaft, die unvorstellbare Überschätzung, haben wir erst nach dem Mauerfall entdeckt. Sie fuhr auf Verschleiß. Bei einer so geringen Produktivität war klar, dass die Lohnstückkosten im Osten dramatisch höher als im Westen waren. Das war natürlich keine Empfehlung an Investoren.

Kohl hat nicht auf Sie gehört?

Stimmt, alle Entscheidungen waren geprägt von der Idee, in Ostdeutschland schnellstmöglich das westdeutsche Niveau zu erreichen. Das war der Unterschied zu Polen und der Tschechei - die wollten lediglich, dass es ihnen besser geht als gestern.

Und im Westen waren die Verantwortlichen dem Druck nicht gewachsen, diesem Wunsch zu widersprechen?

Kohl war kein Mann der Wirtschaft, er hat ganz andere Kriterien angewendet. Warum soll eine Rentnerin in Frankfurt an der Oder dafür büßen, dass sie nicht in Frankfurt am Main lebt? Das waren Kohls Argumente, als wir ihn getroffen haben. Als Staatsbürger Pohl hat mir das sehr eingeleuchtet - auch wenn sich der Ökonom in mir aufgeregt hat.

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  • @morchel: inhaltlich kann man nicht auf Sie eingehen. ihr Neandertaler-Deutsch ist einfach nicht zu verstehen. Aber eines habe durch den letzten Satz gelernt: Sie bekennen, arm zu sein. Arm an Geist, möchte man ergänzen. Deswegen habe ich ja durchaus Verständnis für Sie, rein psychologisch.

    P.S. Lernen Sie doch mal zu verstehen, wann man "das", und wann "daß" oder nach der Rechtschreibreform von mir aus auch "dass" schreibt. Dann hätten wir Lektion "1" schon mal hinter uns und können weiter sehen.

  • @ja die vielen rechtschreibereformen fordern ihren tribut.und esperanto soll ja auch im kommen sein.
    Du hast genau deswegen keine ahnung von dem Anschluss der ostgebiete an die bRD - Profit ist schon mal ein armseliger name.nun da schon hochgebildete professoren das nicht einschätzen können,muss du wirklich von dir überzeugt sein,was ich sehe ist eine arroganz die nichts zu tun hat mit wissen und können.eins ist fakt mit schulden und grossmanns sucht hat der deutsche schon einiges angerichtet.gut das es Lafo mit der ungeschminkten wahrheit war,der zu beginn der einverleibung darauf hinwiesss,nun auf profit dein weg der tränen hat erst begonnen mit einen gescheiterten spekulativen Kapitalismus,ist nichts zu lösenprofit auf der einen seite ist armut auf der anderen.das verstehst du doch oder ist es nicht so

  • @morchel: Was will jemand überhaupt "erläutern", der in einem einzigen (!) deutschen Satz, 8 (in Worten: Acht!) Fehler fabriziert. ich glaube, Sie sind bei der blöd-Zeitung besser aufgehoben.

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