Währungsfonds
Schäuble setzt G-20 die Pistole auf die Brust

Stockt der Internationale Währungsfonds nun seine Finanzmittel zur Krisenbekämpfung auf, oder nicht? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will eine klare Antwort der G-20-Staaten - und ein Ende der Verteilungsdebatte.
  • 6

WashingtonBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat von den G-20-Staaten eine klare Entscheidung über die Aufstockung der Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Krisenbekämpfung gefordert. "Die Ressourcendebatte muss zum Abschluss gebracht werden", sagte Schäuble am Freitag vor einem Treffen der G-20-Finanzminister in Washington. Die Euro-Zone sah er bei der Lösung der Schuldenkrise "auf einem guten Weg".

Die Europäer hätten deutlich gemacht, "dass sie ihren Beitrag zu der notwendigen Erhöhung der IWF-Ressourcen leisten", sagte Schäuble. Die Bundesregierung werde nun darauf dringen, dass auch andere Staaten ihre Verpflichtungen einhielten. Am Ende müsse aber jedes Land seine eigene Entscheidung treffen. Forderungen nach einem weitergehenden Engagement Europas wies Schäuble zurück: "Der Beitrag der Europäer ist ausreichend." Der Finanzminister wehrte sich dagegen, dass vor allem Europa wegen seiner Schuldenprobleme international am Pranger steht. Der Minister verlangte, dass alle Industriestaaten die Zusage vom G-20-Gipfel 2010 im kanadischen Toronto erfüllten, ihre Defizite bis 2013 zu halbieren. "Hier bei dieser Tagung steht Europa nicht mehr im Fokus", stellte Schäuble klar.

Unter dem Eindruck der Euro-Schuldenkrise hatte IWF-Chefin Christine Lagarde zuletzt zusätzliche Kreditlinien für den Währungsfonds in Höhe von mindestens 400 Milliarden Dollar (304 Milliarden Euro) gefordert. Bislang liegen Zusagen in Höhe von etwa 320 Milliarden Dollar vor, die vor allem von Staaten der Euro-Zone und anderen europäischen Ländern sowie Japan gemacht worden waren.

Die USA lehnen eine Erhöhung ihres Anteils ab, auch Schwellenländer wie China oder Brasilien äußerten sich bislang zurückhaltend. Das Thema steht im Mittelpunkt des Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am Rande der gemeinsamen Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington.

Schäuble erklärte, dass die Staaten der Euro-Zone mit ihren Reformbemühungen sowie der Kombination der Rettungsschirme EFSF und ESM zu einem 800 Milliarden Euro schweren Krisenfonds ihren Teil der Vereinbarung erfüllt hätten. Auf den Schuldenschnitt in Griechenland hätten die Märkte mit "großer Gelassenheit" reagiert. "Die Vertrauenskrise in den Finanzmärkten in Bezug auf die Euro-Zone ist noch nicht ganz
überwunden", sagte der Finanzminister. "Aber die substanziellen Entscheidungen sind getroffen und wir sind auf einem gutem Weg." Auch Bundesbankchef Jens Weidmann betonte, der Euro-Raum haben "seine Hausaufgaben gemacht". Die Staatsschuldenkrise bleibe aber "das bedeutendste konjunkturelle Risiko". Weidmann warnte, die Euro-Krise nur mit immer neuen Rettungsmilliarden zu bekämpfen. "Der reflexhafte Ruf nach Geldpolitik erfüllt mich mit Sorge", sagte der Bundesbankchef. "So wichtig die Brandmauern auch sein mögen, um die Krise einzudämmen, sie werden das Feuer nicht löschen können." Dies gehe nur mit einer Umsetzung der strukturellen Reformen, die "langfristig ihre positive Wirkung" entfalten würden.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Währungsfonds: Schäuble setzt G-20 die Pistole auf die Brust"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich frage mich ob den überhaupt noch jemanden ernst nimmt.

  • Wie krank ist Schäuble wirklich?

  • Ich teile Ihre Auffassung. Es ist wirklich nicht an der Zeit, dass Schäuble hier das Wort ergreift. Offensichtlich ist er sich der Tragweite der Diskussion mal wieder nicht bewußt.

    Er bringt Deutschland grundlos in eine schwache Position. In die Position eines Prügelknaben.

    Seine Zeit ist schon lange abgelaufen. Man denke nur an die Schulden Griechenland zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krise, das politische Krisenmanagement und den aktuellen Stand der Schulden ohne Schuldenschnitt. Die Zahlen sprechen für sich. Oder sieht er es als seinen Erfolg an, dass den Privaten ihre Geldanlagen in griechischen Staatsanleihen quasi per Dekret zusammen gestrichen wurden.

    Es ist an der Zeit, dass man gleiches mit seinen Diäten und Pensionen veranstaltet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%