Waffenlieferungen an Kurden
Mit deutschen Panzerfäusten gegen die Islamisten

40 Maschinen- und 8000 Sturmgewehre, 10.000 Handgranaten, 8000 Pistolen sowie Panzerabwehrraketen: Deutschland liefert erstmals Waffen in einem heißen Konflikt. Das könnte nun das Bundesverfassungsgericht beschäftigen.
  • 18

BerlinDeutschland liefert den Kurden im Nordirak Panzerabwehr-Raketen des Typs Milan und Panzerfäuste, um sie im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu unterstützen. Dies gaben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Sonntagabend in Berlin bekannt. Außerdem will die Bundesregierung den Kurden 40 Maschinengewehre, 8000 alte und neue Sturmgewehre des Typs G3 und G36 sowie 10.000 Handgranaten, 8000 Pistolen und Munition schicken.

Auch Fahrzeuge sollen die Kurden erhalten: Geländewagen, Unimogs sowie fünf ältere gepanzerte Patrouillenfahrzeug des Typs Dingo 1. Von der Leyen sagte, dass die Unterstützung der Kurden sowohl eine humanitäre Verantwortung Deutschlands als auch im sicherheitspolitischen Interesse sei.

Die Waffenlieferung reiche aus, um einen Großverband von 4000 Soldaten auszustatten. Neben Deutschland haben sich die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien und zahlreiche weitere Staaten zu Waffenlieferungen an die Kurden bereiterklärt.

Der Gesamtwert der Waffenlieferung beträgt etwa 70 Millionen Euro. Den Einsatz deutscher Kampftruppen schließt die Bundesregierung strikt aus. „Die Lage im Irak ist äußerst kritisch“, sagte die von der Leyen. Der IS warf sie „gnadenlose Brutalität“ vor.

„Unsere Hilfe für den Irak und unser Vorgehen gegen IS fangen nicht mit Waffenlieferungen an und hören nicht mit Waffenlieferungen auf“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Die Ausbildung der Kurden an deutschen Waffen hält die Regierung für problemlos.

„Die Ausbildung kann ja so erfolgen, dass Ausbilder in Deutschland ausgebildet werden und es weitergeben“, sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) am Montag im ZDF-Morgenmagazin. „Die Systeme sind relativ einfach, die wir zur Verfügung stellen. Eine Panzerfaust ist relativ einfach zu bedienen. Ich glaube schon, dass man das hinkriegen wird.“ Sollte die Ausbildung auf deutschem Boden nicht funktionieren, „dann im Raum (der Kurdenhauptstadt) Erbil oder in einem Drittstaat“, heißt es in dem Beschluss.

Kommentare zu " Waffenlieferungen an Kurden: Mit deutschen Panzerfäusten gegen die Islamisten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • DEutschland dienen??? Und warum verschwinden unsere Soldaten und unterstützen Terroristen ( Mittelmeer, Somalia usw.)???

  • Die BW dient nicht mehr der Landesverteidigung, lt. unsere Politiker. Die BW soll nur noch eine Interventionsarmee sein. Dies ist der neue Auftrag!!!

  • Ich bin entsetzt, dass wir in Deutschland schon wieder ein Niveau erreicht haben, wo mit dumpfen Parolen eine Unlogik befeuert wird : seit wann gibt es mehr Frieden, wenn man in ein Krisengebiet noch mehr Waffen liefert ? Die Kurden haben keinen Mangel an Waffen, aber natürlich nehmen sie gerne ein paar Panzer-Abwehrraketen umsonst mit, man kann sie bei Bedarf ja immer noch verkaufen. Man könnte meinen, eine unbewaffnete Bevölkerung müsste sich "Respekt" verschaffen, nach dem Motto : Jetzt zeig ich dir auch mal mein neues Spielzeug. Aber Waffen machen aus bedrängten Minderheiten keine wehrhaften Bollwerke gegen das Böse !! So eine Denke entspricht Hollywood, ist aber völlig unrealistisch. Es gibt nur eine nachhaltige Möglichkeit gegen diese Entwicklung :
    da es zuviele Waffen, vor Allem bei den falschen Leuten gibt, zählt für mich nur eine Konsequenz : die Unterstützer der IS ,offizielle wie inoffizielle, aber auch die der Kurden nicht mehr Waffen und Munition liefern lassen. Auch der irakischen Regierung als Ordnungsmacht nur das Minimum zugestehen - egal wie viele Öl-Milliarden sie bereit ist zu zahlen. Wenn man gegen die Unterstützer aus Saudi-Arabien und Katar genauso eifrig vorgehen würde wie man Sanktionen und Geld-Blockaden gegen den Iran durchgesetzt hat, hätten wir dieses Problem nicht. Wir bzw. unsere Regierung darf den Saudis und Kataris nicht mehr bedenkenlos liefern, auch wenn sie "Freunde" unseres grossen Bruders USA sind oder gar eine erhebliche Aktien-Macht in Deutschland halten. Und was hilft denn unsere NSA-Hysterie, wenn wir wegschauen, wenn Geheimsienste wie CIA und Co dort ihr eigenes Süppchen kochen? Wenn der BND eingebunden ist in die US-Interessen und sich eben nicht gegen CIA-Interessen stellt, habe sie am Ende auch noch die Kontrolle über die neuen Waffen, die "wir" im guten Glauben liefern. Das Waffenverschiebe-System ähnelt eher der Mafia, nur gibts keinen Ehrencodex.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%