Wagenknecht über den Siemens-Chef
„Kaesers Besuch bei Putin war vernünftig“

Sahra Wagenknecht ist bekannt für Klartext. Im Interview erklärt die Linken-Frontfrau, warum sie den Siemens-Chef verteidigt und Westerwelle als Außenminister vermisst – und spricht über Gemeinsamkeiten mit der AfD.
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Sahra Wagenknecht hat einen hektischen Tag. Interviews, Bundestag, und dann ist sie auch noch krank. Vor ihrem Bürofenster im Berliner Jakob-Kaiser-Haus rieselt Aprilwetter-Regen. Die 44-jährige Linken-Fraktionsvize sitzt in einer schlichten Couch-Ecke, im grauen Kostüm und mit schwarz-roter Halskette, und nippt an einem Erkältungstee. Es gibt viel zu besprechen, von Putin über die Euro-Krise bis zur AfD. Und natürlich die Grünen, die Wagenknecht neulich schwer verärgert haben.

Frau Wagenknecht, in der östlichen Ukraine drohen sich die Ereignisse der Krim-Krise zu wiederholen. Für Nato-Generalsekretär Rasmussen ist das ein „Anlass zu größter Besorgnis“. Wie bewerten Sie die Lage?
Die gesamte Entwicklung gibt Anlass zu größter Besorgnis, und dafür trägt der Westen eine beträchtliche Mitverantwortung. Die EU muss jetzt eine Strategie der Deeskalation fahren. Sachliche Gespräche mit Russland sind nötig, und keine Drohgebärden. Letztlich kann die Situation nur entspannt werden, wenn in der Ukraine eine Regierung gebildet wird, die alle Teile der Bevölkerung repräsentiert und auch der russischen Minderheit signalisiert, dass ihre Interessen anerkannt und respektiert werden.

Wer soll die Gespräche mit Russland führen?
Natürlich sollte sich auch die deutsche Regierung einbringen.

Und dann?
Der Westen muss zu einem Politikwechsel gegenüber Russland bereit sein. Über viele Jahre hat man russische Interessen schlicht ignoriert und Moskau gedemütigt. Es fing damit an, dass sich die Nato bis an die russischen Grenzen erweitert hat - entgegen anders lautender Zusagen. Und diese Politik setzte sich fort mit der ultimativen Forderung an die Ukraine, sich zu entscheiden zwischen Russland und einem EU-Assoziierungsabkommen. Selbst ein Nato-Beitritt der Ukraine wurde ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Eine solche Politik provoziert Gegenreaktionen. Das erleben wir jetzt.

Was werfen Sie der deutschen Regierung vor?
Sie hat die Maidan-Opposition blind gestützt, obwohl in dieser Bewegung faschistische Gruppen ein zunehmend relevanter Faktor wurden. Die verfassungswidrig installierte Übergangsregierung in Kiew wurde sofort anerkannt, obwohl mit Swoboda eine Nazi-Partei mit drei Ministern am Kabinettstisch sitzt. Diese Partei hat mit aggressiver antirussischer Propaganda viel zur Eskalation beigetragen. Das sind im Übrigen auch üble Antisemiten, vor denen der jüdische Zentralrat gewarnt hat. Schon das hätte es verbieten müssen, eine solche Regierung anzuerkennen.

Sie sprechen viel von Deeskalation, andererseits sind es derzeit ja vor allem prorussische Gruppen, die für Eskalation sorgen.
Das ist auch eine Gegenreaktion auf die Entwicklungen in Kiew. Der Westen sollte Druck ausüben, dass die Faschisten aus der ukrainischen Regierung und aus einflussreichen Positionen wieder verschwinden. Stattdessen hat auch Außenminister Steinmeier dazu beigetragen, diese Kräfte hoffähig zu machen, indem er sich etwa mit dem Chef von Swoboda getroffen und Gespräche geführt hat. Das war alles daneben. Mit solchen Kräften wird es keine sinnvolle Lösung der Krise geben. Dann ist die Gefahr groß, dass die Ukraine im Chaos versinkt.

Glauben Sie, dass sich Kreml-Chef Wladimir Putin zum Handeln veranlasst sieht und nach der Krim auch noch die Ost-Ukraine annektiert?
Ich glaube nicht, dass Putin ein Interesse an einer weiteren Eskalation der Lage hat. Andererseits kommt er unter Druck, wenn die Situation immer weiter außer Kontrolle gerät. Deshalb kann es nur eine Lösung geben, die die russische Minderheit mitnimmt.

Kommentare zu " Wagenknecht über den Siemens-Chef: „Kaesers Besuch bei Putin war vernünftig“"

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  • Eine Frau wie die Wagenknecht würde ich mir für die Grünen wünschen.

    Die liegen ja mittlerweile voll auf dem Mainstream-Kurs. Ganz brav 'Europa über alles' und so weiter und so fort. Umwelt- und Naturschutz nimmt man bei denen kaum noch wahr. Die sind ganz blass geworden. Leider kaum noch wählbar.

  • @ Armergutmenschensucks,

    was Brüssel der ganzen Welt vormacht, ist so entsetzlich und dekadent, dass ich mir nicht ins Höschen mache, sonder vor Wut das Dicke nicht mehr halten kann. In Brüssel geht es so schlimm zu, dass die Oligarchen in Russland und der Ukraine regelrechte Waisen-Knaben dagegen sind und warten schon auf die West-Milliarden, um sie in die eigenen Taschen umzuleiten. Und die jetzige Ukrainer Regierung besteht durchgehend aus Milliarden-schweren Oligarchen, Gaunern, Banditen und sogar mit drei Faschisten - eine Regierung, die ohne Wahl und ohne Recht regiert und von einem NATO-Vasallen als Regierungs-Chef und ohne Volkswillen sich an die Spitze gesetztz hat..!

  • …und wenn Putin den Hahn zudreht kommen die Amis mit ihren Rosinenbombern und werfen Spritkanister ab. Haha, was hen mer gelacht…

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