Wahl-Countdown
Die wundersame Wandlung des flotten Guido zum biederen Westerwelle

Die FDP versucht, das Image der Spaßpartei abzustreifen. Und tut zu viel des Guten.

BERLIN. Wer erinnert sich nicht mit Grausen an das Guido-Mobil? Oder mit einem Schauder an die poppige "18" auf Schuhsohlen, mit der FDP-Chef Guido Westerwelle vor drei Jahren Wahlkampf machte. Politik als Happening, Kult statt Kontroversen - so trat die FDP 2002 an. Und musste feststellen, dass sie vom Wähler nicht ernst genommen wurde.

Das soll diesmal anders werden. Programmatisch sind die Liberalen - wie übrigens bereits 2002 - gut aufgestellt. In einer ordnungspolitischen Radikalität, die sich wohl nur eine kleine Partei leisten kann, deklinieren sie ihr Reformszenario durch. Kaum eine Subvention ist ihnen heilig, kaum eine Sozialleistung vor ihnen sicher.

Mit dieser Botschaft will die Partei punkten. Statt des unbekümmerten Beach-Volleyballers gibt der flotte Guido heute den tiefernsten Staatsmann Westerwelle. Nur im Runzeln der von den Problemen der Welt zerfurchten Stirn ist der derzeitige Außenminister seinem Nachfolge-Aspiranten noch voraus.

Den politischen Betrachter beschleicht das Gefühl, dass es die FDP erneut übertreibt. Natürlich sind die Zeiten schlecht. Und natürlich ist es auch diesmal eine Richtungswahl. Aber muss es wirklich ganz so bierernst und schicksalsbewegt sein?

Mit einem Programm ohne Show werden die Liberalen kaum besser abschneiden als mit der bereits gefloppten "Show ohne Programm". Das Wahlvolk, das am 18. September seine Kreuzchen bei der FDP machen soll, will zuvor umworben werden. Und zwar nicht nur mit Ideen, sondern auch von kämpferischen Protagonisten. Ein Spitzenkandidat, der sich ständig neu erfindet, reicht da nicht aus.

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