Wahl-Countdown
EU hat Schröder abgeschrieben

Die Europäische Union setzt nun alle Hoffnung auf Angela Merkel. Viele erwarten, dass die Unions-Kanzlerkandidatin Europa aus der Krise hilft.

BRÜSSEL. Alle warten auf Angela! So könnte man die Stimmung in der Europäischen Union eineinhalb Monate vor der Bundestagswahl umschreiben. Viele politische Beobachter und Brüsseler Spitzendiplomaten haben Bundeskanzler Gerhard Schröder längst als "lame duck" abgeschrieben. Seit Schröder im größten Mitgliedsland der EU vorzeitige Wahlen angesetzt hat, richten sich die Hoffnungen nun ganz auf die Kanzlerkandidatin der Union.

"Merkel wird die Lücke füllen", titelte kürzlich eine englische Tageszeitung. Mit der Lücke ist jenes Führungsvakuum gemeint, das die Gemeinschaft seit den gescheiterten EU-Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden lähmt. Vor allem die Briten hoffen, dass die Ostdeutsche zusammen mit Großbritanniens Premierminister Tony Blair das Heft in die Hand nimmt und Europa aus der Krise führt.

Pariser Kommentatoren freilich setzen eher auf eine Wiederbelebung der deutsch-französischen Achse. Allerdings kommt dies nur mittelfristig in Frage. Als starker französischer Partner gilt allein der charismatische Innenminister Nicolas Sarkozy - der aber tritt erst im Jahr 2007 als Kandidat für das Amt des Staatspräsidenten an.

Merkel wird, sollte sie die Wahl gewinnen, sehr rasch ihre europapolitischen Qualifikationen unter Beweis stellen müssen. Bereits am 27. Oktober steht ein europäischen Spitzentreffen an. Die britische EU-Präsidentschaft hat zu einem Sondergipfel über das europäische Sozialmodell eingeladen. Sollte die neue Bundesregierung bis dahin nicht gewählt sein, gehen Berliner Diplomaten davon aus, dass Schröder seiner Nachfolgerin den Vortritt lassen wird.

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