Wahl-Countdown
Gut beraten, schlecht beraten

Was beim Fernsehduell auffiel: Merkels Mimik und Schröders Liebe zu Zahlen.

DÜSSELDORF. Am Tag danach stellt sich die Frage nach den Schuldigen: Wer, um Himmels Willen, hat Gerhard Schröder dazu geraten, im TV-Duell möglichst viele Zahlen unterzubringen? Der Bundeskanzler wirkte zeitweise, als habe er drei Tage lang schnöde Ziffern auswendig gelernt - und als müsse er sie nun auch alle im Streitgespräch mit Herausforderin Angela Merkel unterbringen. Zumindest in der ersten halben Stunde des Duells sprudelten die Zahlen nur so aus ihm heraus. Staatsverschuldung, Ökosteuer, steuerfreie Zuschläge: Schröder nervte mit Rechenbeispielen bis in den Dezimalbereich hinein.

Zugegeben: Gleich zu Anfang konnte der Kanzler beruhigt sein, dass er sein Nummernwerk parat hatte, so ganz ohne Spickzettel. Stellte doch RTL-Frontmann Peter Kloeppel zur Eröffnung die beliebte Was-kostet-ein-Pfund-Butter-Frage in leichter Abwandlung: Wie teuer ein Liter Super-Sprit sei? Da wusste Schröder, wozu er die Zahlen gebimst hatte.

Zurück zu den Schuldigen: Wer hat eigentlich Angela Merkel dazu geraten, ihre Gesichtsmuskeln möglichst ausgiebig zu nutzen? Mal riss die Kanzlerkandidatin unvermittelt die Augenbrauen in die Höhe, mal blies sie die Wangen auf. Das wirkte reichlich angestrengt. Offenbar hatten die Berater dieses Mienenspiel eigens für die seitlich positionierten Kameras angeregt - um zu verhindern, dass Merkels Mundwinkel nach unten rutschen und sie die Zuschauer mit dem ihr eigenen traurig-teilnahmslosen Bernhardiner-Blick abschreckt (was zwischendurch auch geschah).

Was also bleibt nach 94 Minuten Fernsehduell und anschließenden Analyserunden auf allen Kanälen und in sämtlichen Blättern? Angela Merkel legt sich auf Paul Kirchhof als Finanzminister fest, der Kanzler liebt seine Frau, und Sat.1-Moderator Thomas Kausch ("Frau Kirchhof ... äh ... Frau Merkel ...") arbeitet konsequent daran, seine Karriere zu ruinieren.

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