Wahl-Countdown
Im Ausland siegen die Konservativen

Nur wenige Deutsche wählen in der Fremde. Das aktuelle Geschehen in der Heimat spielt keine Rolle.

BUENOS AIRES. Man muss schon ein sehr pflichtbewusster Bürger sein, um als Deutscher im Ausland an der Bundestagswahl teilzunehmen. Wer im Ausland lebt, musste zur nächste Botschaft traben, um ein Antragsformular für die Aufnahme in das Wählerverzeichnis abzuholen. Wer Internetzugang hat, konnte sich den Antrag herunterladen. Dieser musste bereits am 28. August bei der Gemeinde des letzten deutschen Wohnortes per Post eingehen. Nun bleiben noch drei Wochen, innerhalb derer die Gemeinde die Briefwahl-Unterlagen wieder per Post an den Wähler im Ausland schicken und dieser sie ausgefüllt wieder zurücksenden muss. Bei langen Postwegen, wie etwa von und nach Südamerika, könnte das knapp werden. Kommen die Briefwahlstimmen nicht bis 18 Uhr am Wahltag in Deutschland an, war alles umsonst.

Kein Wunder, dass sich bei den letzten Wahlen von den bis eine Million wahlberechtigten Deutschen im Ausland nur rund 50 000 tatsächlich die Mühe machten, zu wählen.

In Südamerika leben knapp vier Millionen Auslandsdeutsche, vor allem in Brasilien, Argentinien und Chile. Sie verfügen über eine beachtliche Infrastruktur an deutschen Schulen, Clubs und deutschen Zeitungen. Trotzdem bekommen die meisten Auslandsdeutschen nur wenig von dem aktuellen Geschehen in Deutschland mit. Das Meinungsforschungsinstitut "Demoscopia" in Buenos Aires belegte das vor kurzem in einer Umfrage unter Deutschen in Argentinien: "Die Leute hier verfolgen nur sehr wenig, was in Deutschland geschieht", meint Hartmut Hentschel von Demoscopia. So seien auch die Motive bei der Wahl eher historisch bedingt als von aktueller Entwicklungen abhängig. Man wählt eine Partei, weil man sie schon immer gewählt habe, meint Hentschel. "Insgesamt neigen Auslandsdeutsche immer mehr zum konservativen Lager", sagt der Meinungsforscher. Seiner Erfahrung liege im Ausland die CDU vorn.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%