Wahl-Countdown
Im Fernsehen nichts wirklich Neues

Das ZDF lässt es in der Berliner Runde zwischen den Parteichefs menscheln.

DÜSSELDORF. Nicht jeder hat in diesen Tagen Zeit, sich auf Marktplätze oder Turnhallen zu begeben, um Wahlkampf live zu erleben. Kein Problem. Gestern Abend haben die Wahlkämpfer ihre Straßenauftritte mal kurz unterbrochen, um die wohl geübten Passagen ihrer freien Rede auch einem größeren Publikum im Fernsehen darzureichen. Angela Merkel, Edmund Stoiber, Guido Westerwelle, Joschka Fischer und Wolfgang Clement für den erkrankten Franz Müntefering traten an, um sich gegenseitig nichts zu schenken.

Das ZDF hatte die alte Bonner Runde in Berlin wiederbelebt mit den Chefs der im Bundestag vertretenen Parteien (die PDS, so das ZDF pfiffig, ist ja keine Fraktion, brauchen wir nicht einladen). Dass Fischer gar kein Parteivorsitzender ist - Schwamm drüber.

So konnte das heitere Spiel losgehen, aber Helmut Kohl weiland wusste schon, warum er irgendwann keine Lust mehr auf die Bonner Runde hatte. Fest gedrückt in Sitz und Tischchen polterten die Parteichefs zwar, was das Zeug hielt. Inhaltlich aber erreichte die Diskussion den Neuigkeitsgrad einer Wochenzeitung, in der gerade ein schöner Schellfisch eingewickelt wird.

Stattdessen gab es einige karge Auskünfte über das Menschelnde im tobenden Wahlkampf. Joschka hat sich offenbar schon heiser gestritten am Watt ("Ich kämpfe um jede Stimme, auch um meine eigene.") Stoiber fing mit spiegelnden Augengläsern samt glasklaren Argumenten an und stahl Angela Merkel fast die Show. Nach etwa der Hälfte derselben erinnerte er sich daran, wer bei der Union die Frau des 18. Septembers sein soll (ob die CDU-Vorsitzende ihm einen entsprechenden Wink gab, entzog sich dem kamerageführten Zuschauerauge). Der Bayer wurde leiser, die Frau aus dem Osten übernahm. Das war doch nett anzuschauen. Aber sonst war eigentlich nicht viel los. Vielleicht sollte man doch mal zum Reality-Wahlkampf in die nächste Fußgängerzone gehen.

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