Wahl-Countdown
Kirchhof und Eichel verkeilen sich

Finanzexperte bleibt in ZDF-Debatte nebulös - Minister ruht sich auf Lorbeeren aus.

BERLIN. Zu besichtigen waren höchst unterschiedliche Charaktere. Der ZDF-Moderatorin Maybrit Illner zur Rechten der Herausforderer Paul Kirchhof. Bildhafte Sprache, ausgeprägte Gestik - Kirchhof weiß, was er tun muss, um sein Publikum für sich einzunehmen. Ihm gegenüber ein detailversessener Hans Eichel, ständig dazwischenredend wie ein Erstklässler. Hier profitierte Eichel von dem Sitzfleisch, das er sich in den Polit-Talkshows vergangener Jahre angesessen hatte: Egal, ob ihm Kirchhof in die Parade fuhr oder Illner ihn bremsen wollte - der Finanzminister redete ungerührt weiter.

Illners Redaktion hatte sich zwei der allseits beliebten Rechenexempel erstellen lassen, um anhand vermeintlich typischer Steuerzahler darzustellen, wem die kirchhofsche Einheitssteuer etwas bringen würde. Herhalten dafür mussten wiedermal die Krankenschwester und der gutverdienende Manager. Die Schwester müsste bei Kirchhof 133 Euro Steuern im Jahr mehr zahlen - "und da fehlt auf meiner Seite noch der Grundfreibetrag", krähte Eichel fröhlich dazwischen. Der Manager würde hingegen 15 000 Euro weniger Steuern zahlen müssen. Wo Kirchhof um Ungefähren blieb, verstörte Eichel damit, dass er sich auf seinen Lorbeeren ausruhte.

Mehrmals pries er die Steuerreformen von Rot-Grün als Wohltaten, die leider nicht vollständig umgesetzt werden konnten, weil die Union im Bundesrat mauerte. "Die Schlupflöcher, die ich schließen wollte, hat mir die Union kaputtgemacht", rief Eichel aus. Überhaupt solle Kirchhof doch bitte mal sagen, was für Schlupflöcher das denn seien, die eine Absenkung des Spitzensteuersatzes auf 25 % rechtfertigten. Spätestens hier war Eichel in Fahrt geraten. Kirchhofs Modell bringe Einnahmeausfälle von 43 Mrd. Euro im ersten und 32 Mrd. Euro im zweiten Jahr. Dann fiel Eichel das Mikro vom Sakko. Der Professor blieb zunächst souverän, sprach davon, dass sein Steuermodell von vielen Experten noch gar nicht verstanden worden sei. Dann verfuhren sich die zwei Steuerkapitäne im Nebel - keiner konnte folgen. Was bleibt? Das Steuerrecht ist ein dankbares Thema für dicke Wälzer und in einer TV-Sendung fehl am Platze.

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