Wahl-Countdown
Krachleder-Diplomatie gegen den Umzug

Viele Gründe, warum der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bleibt, wo er ist.

DÜSSELDORF. München ist schön, das weiß der Ministerpräsident. Er schätzt es, im Hofgarten zu residieren, in der Staatskanzlei. In der Nähe rauscht die Isar, die alles mit allem verbindet, die Landeshauptstadt mit dem trauten Heim im Wolfratshausen. Jener Ort, an dem so manch' zünftige Isar-Floßfahrt beginnt und einen tiefen Einblick in oberbayerische Volkstümlichkeit offenbart. Ein bisschen wild, ein bisschen bieder, gewiss überschaubar.

Was also in aller Welt könnte Edmund Stoiber nach Berlin bewegen? Die Staatskanzlei einzutauschen gegen das Kanzleramt geht nicht, da will Angela Merkel einziehen. Superminister unter der Ostdeutschen werden? Ein Tagtraum blieb das, denn das angebliche Amt für Wirtschaft, Arbeit und Finanzen war eine Wahlkampf-Finte. Die Kanzlerin in spe hat nur mehr Einzelposten zu vergeben. Wirtschaft? Zu eng wirkt ein solches Ministerium für den ehrgeizigen CSU-Chef, der selbst gerne und beinahe Kanzler geworden wäre. Finanzen macht Professor Paul Kirchhof mit mehr Sachverstand. Und um das Auswärtige Amt rangeln hinter CDU-Vize Wolfgang Schäuble die Liberalen Wolfgang Gerhardt und Guido Westerwelle.

Auf dem diplomatischen Parkett, heißt es, fühle sich der Bayer ohnehin nicht wohl. Kommt darauf an, wie dogmatisch man diplomatisch versteht. Stoiber hat sein eigenes, bajuwarisches Verständnis davon. Und das mit seiner Aussage über die "Frustrierten" und "Kälber" in Ostdeutschland auch demonstriert. Mutmaßlich in eigener Sache sprach der Ministerpräsident, dessen Vorgänger einst bekannte, die Bayern würden halt mal etwas "härter hinlangen". Genau das hat Stoiber getan. Und dabei auf seine recht ober-bayerische Art unterschwellig einen Amtsverzicht in Berlin angedeutet: Krachleder-Diplomatie aus dem Land der Laptops und kurzen Beinkleider.

Apropos Lederhos?n: Den wahren Höhepunkt des Wahlseptembers hat Stoiber sicher fest im Blick: Samstag, vor dem Urnengang, wenn Münchens OB Christian Ude die erste Maß Bier auf der Wiesn anzapft. Na dann: Prost!

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