Wahl Countdown
Warum Merkel das freundliche Lächeln Stoibers fürchten muss

Der Bayer dominiert den Wahlkampf der Union und stichelt gegen die Kandidatin.

BERLIN. Wie sich die Zeiten ändern. Vor knapp drei Jahren verkündete Angela Merkel mit versteinertem Gesicht ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur der Union. Und mit ebendieser Miene zog sie für ihren Rivalen Edmund Stoiber in den Wahlkampf.

Heute hat sich die Rollenverteilung umgekehrt: Merkel kandidiert, Stoiber assistiert. Kandidatin ist Merkel, Stoiber nur der Wasserträger. Er aber legt dabei die allerbeste Laune an den Tag. Kokett lächelnd gibt er die Sphinx von der Isar und meidet jegliche Festlegung auf ein Berliner Amt. Verschmitzt lächelnd verkündet er die Entsendung seines Innenministers Günther Beckstein in Merkels Kompetenzteam. Und kalt lächelnd gibt der CSU-Chef über seinen Generalsekretär Söder der Kandidatin eine Zielmarke von 45 Prozent vor - ein durchaus ehrgeiziges Vorhaben angesichts der 38,5 Prozent, die Stoiber 2002 holte.

Aber der Bayer kann auch anders. Mit Pomp und Pathos macht er Wahlkampf in der Provinz - und sorgt mit Parolen über dauerfrustrierte Ossis und dem bayerischen Intelligenzvorsprung für bundesweite Schlagzeilen. Da mögen der ostdeutschen Kandidatin und ihrer geistig weniger gesegneten minderbemitteltenCDU-Wählerschaft die Ohren noch so sehr klingen - Stoiber hat immerhin Schlagzeilen gemacht.

Denn genau hier liegt Merkels Problem. Solange sie nicht mit eigenen Auftritten und Themen punktet, fokussiert sich die Öffentlichkeit auf die Sticheleien und Wahlkampfkapriolen des bayerischen Möchtegern-Kandidaten. Angela Merkel muss schnellstens die Flucht nach vorn antreten und die Spitzenkandidatur ausfüllen. Nur so kann sie Stoiber und seine CSU in Zaum halten. Und nur so wird sie am 18. September zuletzt lachen.

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