Wahl-Countdown
Was die Parteien wirklich wollen

Der Strauß der Orchideen-Parteien wird diesmal bunt sein, auch ein Tupfer violett wird sich darin finden, was die Parteien woll: Autos einschmelzen, Spiritualität fördern. 55 Vereinigungen bewerben sich, der Bundeswahlausschuss entscheidet am 12. August.

DÜSSELDORF. Da sind sie wieder, die Exoten der Politik. Ins Rampenlicht rücken sie immer nur kurz vor den Wahlen, wenn die Frage zu klären ist, wie lang der Stimmzettel wird. Es sind die Vereinigungen der Tierschützer, der Feministinnen, der Senioren und auch etwa Bolko Hoffmanns Partei "Pro DM". Nach dem Wahltermin hört man - normalerweise - etwa vier Jahre lang nichts mehr von ihnen.

Der Strauß der Orchideen-Parteien wird diesmal bunt sein, auch ein Tupfer violett wird sich darin finden. "Die Violetten" wollen "Spiritualität in Öffentlichkeit und Politik tragen". Die Partei betrachtet sich als "Sprachrohr einer wachsenden Zahl von spirituellen Menschen". Das Wahlprogramm der Violetten überrascht mit originellen Ansätzen. Unter dem Punkt "Rechtswesen" findet sich etwa der Hinweis, Straftätern sollten Meditationsübungen und Seminare zur Bewusstseinsentwicklung angeboten werden. Die 2001 gegründete Partei freut sich über regen Zulauf. Die Mitgliederzahl habe sich von 112 am 1. Juli auf 230 Anfang August mehr als verdoppelt, sagt Parteisekretär Jörg Chemnitz. Die Partei tritt nicht bundesweit an, sondern nur in der Herzkammer der Spiritualität, also in Bayern.

Ein einfallsreiches Programm legt die "Bergpartei" vor. "für jeden gefällten baum ein eingeschmolzenes auto", heißt es da in moderner Kleinschreibung. Die Partei hat sich außerdem der Förderung des Formationstanzes verschrieben.

Ob der Bundeswahlausschuss damit leben kann? Das Gremium befindet am 12. August darüber, welche der 55 Vereinigungen, die sich an der Bundestagswahl beteiligen wollen, zugelassen werden.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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