Wahl des Bundespräsidenten
Verstimmung nach Pannen bei Köhler-Wahl

Blumensträuße und Festmusik vor dem offiziellen Ergebnis: Bei der Wahl des Bundespräsidenten haben einige organisatorische Pannen für Verstimmung gesorgt. Im Internet war das exakte Endergebnis bereits vor der offiziellen Bekanntmachung zu lesen.

Hb BERLIN. Organisatorische Pannen bei der Wahl des Bundespräsidenten haben am Samstag für einigen Ärger gesorgt. Grünen- Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sprach von einem „protokollarischen Super-GAU“, weil schon vor der offiziellen Bekanntgabe des Ergebnisses durch Bundespräsident Norbert Lammert (CDU) im Plenarsaal Blumensträuße verteilt wurden und die Festmusik eingezogen war.

Bei den Sozialdemokraten war man ebenfalls wenig amüsiert. Mit Hinweis darauf, dass man nicht als schlechter Verlierer dastehen wollte, verzichtete die SPD-Spitze auf eine Rüge für Lammert. Aber auch in der Bundestagsverwaltung wurde der Ablauf als „nicht optimal“ bezeichnet.

Der Parlamentschef hatte nach der Stimmenabgabe die Sitzung um 13.25 Uhr unterbrochen und angekündigt, die Auszählung werde sich etwa 40 Minuten hinziehen. Um 14.19 Uhr marschierte plötzlich ein Bläser-Quintett in den Saal, das zum Abschluss die Nationalhymne intonieren sollte. Drei Minuten später folgten Saaldienerinnen mit Blumen für die Kandidaten. Der Linkspolitiker Lothar Bisky verstaute verschämt das Bouquet für den eigenen Bewerber Peter Sodann unter seinem Sitz. Andere verteilte Sträuße wurden eilig wieder eingezogen.

Für die meisten Wahlmänner und -frauen waren diese verwirrenden Vorgänge aber ein klarer Hinweis darauf, dass es Horst Köhler bereits im ersten Wahlgang geschafft hatte. In den Reihen von Union und FDP machte sich sichtbare Erleichterung breit. Per SMS waren bereits kurz nach 14.00 Uhr Abgeordnete über die Auszählung informiert worden, die diese Nachricht rasch an ihre Nebenleute weitergaben. In Windeseile sprach sich der Ausgang bis auf die Pressetribüne herum. Auch im Internet - über Twitter und Facebook - war bereits die exakte Stimmenzahl für Köhler zu lesen, als die Stimmberechtigten selbst offiziell noch ahnungslos waren.

Die Bekanntgabe verzögerte sich auch deshalb, weil die Ja-Stimmen für Köhler angesichts des knappen Erfolges zur Sicherheit noch zweimal nachgeprüft wurden. Erst als sein Sieg endgültig feststand, wurde Köhler informiert, der sich für die Wartezeit ins Schloss Bellevue zurückgezogen hatte. Die knapp zwei Kilometer lange Rückfahrt zum Reichstag verlief langsamer als geplant, weil sich vor den Präsidentenkonvoi ein im Schneckentempo fahrendes Auto geschoben hatte. Lammert musste deshalb minutenlang vor der Tür des Reichstags warten.

Erst um 14.26 Uhr schaffte es das alte und neue Staatsoberhaupt dann doch noch in den Plenarsaal. Wenige Minuten später konnte der Parlamentschef dann endlich auch offiziell die Wiederwahl Köhlers verkünden.

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