Wahl im Saarland
Auftakt zum unerwarteten Superwahljahr

Das Regierungsbündnis im Saarland steht bereits fest: die Große Koalition. Trotzdem ist die Wahl ein Testlauf für NRW und für den Bund. Denn was in Saarbrücken passiert, könnte sich in Berlin und Düsseldorf wiederholen.
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SaarbrückenEine Frage beschäftigt Annegret Kramp-Karrenabauer wirklich: „Warum heißt die Elefantenrunde mit den Spitzenkandidaten der Parteien im Fernsehen immer noch Elefantenrunde?“ Zu Zeiten von Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl möge der Name ja noch gepasst haben, aber im Saarland habe „keiner der Kandidaten etwas Elefantenhaftes an sich“, sagt die Ministerpräsidentin und lächelt.

Vermutlich denkt die CDU-Politikerin vor allem an sich selbst, denn Kramp-Karrenbauer, 49, ist die am wenigsten elefantöse Person, die man sich vorstellen kann: Sie ist zierlich, spricht leise, und ein deutlich vernehmbarer Zungenschlag verrät, dass sie das Saarland in ihrem Leben nur selten verlassen hat: Sie wohnt noch immer in Püttlingen, dem Ort, in dem sie schon die Grundschule besuchte und wo sie seit 1984 für die CDU im Stadtrat saß. Trotzdem sollte man sich davor hüten, die Politikwissenschaftlerin zu unterschätzen: Als sie Anfang des Jahres keine Zukunft mehr für die schwarz-gelb-grüne Regierungskoalition sah, zögerte sie keine Minute und ließ das von ihrem Vorgänger Peter Müller mit großem Tamtam geschmiedete Bündnis platzen.

Seitdem kann man im Saarland einen Wahlkampf beobachten, der zweifellos zu den kuriosesten in der Geschichte der Bundesrepublik zählt. Denn obwohl CDU und SPD nach dem Ende von Jamaika nicht in der Lage waren, sich auf eine neue Regierung zu einigen, haben sie bereits vor der Neuwahl wechselseitig erklärt, nachher miteinander koalieren zu wollen. Es geht also nur noch um die Frage, wer das Saarland künftig als Ministerpräsident regieren wird: Die CDU-Amtsinhaberin oder ihr Herausforderer Heiko Maas von der SPD.

Kramp-Karrenbauer selbst begründet die ungewöhnliche Vorfestlegung auf die Sozialdemokraten mit den „großen Herausforderungen“, vor denen das hoch verschuldete Bundesland stehe. „Um die Vorgaben der Schuldenbremse einzuhalten braucht es politische Stabilität – und für die bieten die beiden großen Volksparteien die größte Gewähr“, sagt die Ministerpräsidentin. Ihr Kontrahent und potenzieller Partner Heiko Maas äußert sich fast wortgleich.

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