Wahl-O-Mat ist online
Wahlhilfe in 30 Mausklicks

Im Internet können Unentschlossene herausfinden, welche Partei am besten zu ihnen passt.

Ha!“, ruft der Kandidat und klatscht vor Freude in die Hände. „Ich bin ein Sozi!“ Das wusste Martin Schulz, Spitzenkandidat der SPD für die Europawahlen im Juni, zwar schon vorher – aber jetzt hat er es quasi amtlich: 30 europapolitische Thesen hat der sozialdemokratische Fraktionsvize im Europaparlament auf dem Computerbildschirm gelesen und dann angeklickt, ob er dafür ist oder dagegen. Der Rechner braucht keine zwei Sekunden, um ihm das Ergebnis zu präsentieren: Der Mann sollte ganz klar sozialdemokratisch wählen.

Der digitale Wahlhelfer mit dem Namen „Wahl-O-Mat“ – mit großem Erfolg erstmals vor den Bundestagswahlen 2002 eingesetzt – soll auch für die Europawahlen den Wählern die Entscheidung zwischen CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen und PDS erleichtern. Vor zwei Jahren hatten 3,6 Millionen Menschen über das Internet bei dem Programm Rat gesucht. Geholfen hatte damals Harald Schmidt, der in seiner Show mit Hilfe des „Wahl-O-Mat“ seine Neigung zu den Grünen entdeckte – am nächsten Tag brach unter der Last der Anfragen der Server zusammen. Seit gestern ist die Homepage www.wahl-o-mat.de wieder online.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB), die für das Projekt verantwortlich ist, hat damit vor allem junge Erst- und Zweitwähler im Auge: Deren Wahlbeteiligung – 1999 lag sie bei rund 30 Prozent – soll durch die digitale Entscheidungshilfe steigen. „Die ihn benutzen, werden es schwieriger haben gegenüber ihren Freunden, nicht zur Wahl zu gehen“, hofft BPB-Präsident Thomas Krüger. Die Arbeit, aus den weitschweifigen Wahlprogrammen 30 knackige Thesen wie „Die Türkei soll in die EU aufgenommen werden“ oder „Die Wasserversorgung soll privatisiert werden“ zu destillieren, hatte ein Redaktionsteam aus 25 Erst- und Zweitwählern erledigt. Ob der Wahl-O-Mat tatsächlich die Lust am Wählen steigert, ist allerdings offen: Sein Vorgänger 2002 hat zwar 97 % der Benutzer „Spaß gemacht“, hat die Universität Düsseldorf in einer Studie herausgefunden. Doch „hilfreich bei der Wahlentscheidung“ fanden ihn nur 30 %. Immerhin 40 % halten ihn für „hilfreich, um Unterschiede zwischen den Parteien festzustellen“.

Die Präferenzen der Benutzer werden auf der Webseite anonym gesammelt und ausgewertet. Ergebnis, Stand gestern Mittag um halb zwei: Mit 26,3 % tragen die Grünen einen klaren Sieg davon, dahinter folgt die FDP mit 22 %.

Die BPB warnt allerdings auf ihrer Website vor voreiligen Schlüssen: Man dürfe die Auswertung nicht mit einem Politbarometer verwechseln: „Das tatsächliche Wahlergebnis wird vermutlich ganz anders aussehen.“

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