Wahlforscher
Merkels Ostbonus ist dahin

Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, Richard Hilmer, hat Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel bescheinigt, ihren einstigen Bonus in den neuen Bundesländern vollständig verloren zu haben.

HB BERLIN. Hilmer sagte der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung", Merkel habe einen enormen Zuspruch gehabt, als sie zur CDU-Vorsitzenden gewählt worden sei. Das sei ein Signal an die neuen Bundesländer gewesen: Jemand aus dem Osten, noch dazu eine Frau, kann in einer der beiden großen Parteien die Führung übernehmen. Inzwischen habe die Kanzlerkandidatin nur noch bei den Frauen einen gewissen Bonus, der aber in Ost- und Westdeutschland nahezu gleich sei.

Nach Ansicht Hilmers hat das Wahlprogramm der Union mit der angekündigten Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Verringerung der Pendlerpauschale viele Wähler abgeschreckt, die zunächst Merkel zugeneigt gewesen seien. Viele dieser Wähler tendierten jetzt dazu, ihre Stimme dem Linksbündnis aus PDS und WASG zu geben. Bei ihnen habe es sich ohnehin nicht um CDU-Stammwähler gehandelt, sondern um Leute, die aus Enttäuschung über Rot-Grün diesmal die CDU in Erwägung gezogen hätten.

Hilmer forderte die Union auf, sich angesichts ihrer Umfrage-Verluste im Osten etwas einfallen zu lassen. "Wenn man so schnell an Boden verliert, dann muss das etwas mit dem ganzen Auftritt, dem Programm, dem Personal zu tun haben", sagte der Demoskop.

Auch der Göttinger Parteienforschers Peter Lösche ist der Ansicht, dass Merkel mit ihrer ostdeutschen Herkunft in den neuen Bundesländern kaum noch punkten kann. "Merkel ist nur Parteivorsitzende und Kanzlerkandidatin geworden, weil sie eine echte Westkarriere hinter sich gebracht hat und als Westfrau aufgetreten ist. Sie kann sich jetzt nicht umschminken als Ostfrau." Merkel habe im besten Fall eine gesamtdeutsche Karriere, aber keine ostdeutsche.

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