Wahlforschung
„Der SPD fehlt jemand wie Gerhard Schröder“

Demoskop Manfred Güllner spricht über die Fehler der CDU im NRW-Landtagswahlkampf, meint, Röttgen sei eine Zumutung gewesen und sieht eine unbequeme Wahrheit für die SPD: Ihr fehlt ein richtiger Kanzlerkandidat.
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BerlinDie Schuldzuweisungen für das Wahldesaster der CDU gehen vor allem Richtung Spitzenkandidat Norbert Röttgen. Macht es sich die Union damit nicht zu einfach? Wie verhält es sich mit der Verantwortung der Bundeskanzlerin?

Etwa ein Drittel der potenziellen CDU-Wähler in NRW will zwar Merkel als Kanzlerin, fand aber Hannelore Kraft sympathischer als Norbert Röttgen. Diesem Zwiespalt konnte man nur durch Wahlenthaltung entgehen. Merkels Fehler war, jemanden wie Röttgen den Wählern an Rhein und Ruhr zugemutet zu haben.

Sie hat also nicht traditionelle Unionswähler vergrault?

Vergraulen ist das falsche Wort. Merkel hat es aber versäumt, in ihrer Anhängerschaft genügend Identität und Geborgenheit mit Blick auf die traditionellen Wertemuster der Union zu bewahren.

Welche Rückschlüsse ergeben sich aus dem Wählerverhalten in NRW gegenüber der Bundestagswahl im nächsten Jahr?

Da für viele CDU-Anhänger auch in NRW die Macht in Berlin wichtiger ist als die in Düsseldorf, wird die CDU ihr Wählerpotenzial bei der Bundestagswahl deutlich besser mobilisieren als bei der Landtagswahl. Sie hat somit alle Chancen, 2013 auch in NRW wieder mehr Stimmen als die SPD zu erhalten.

Die SPD ist Wahlsieger. Wird das durch die Zahlen unterfüttert?

Hannelore Kraft hat am Sonntag genauso viele Stimmen - etwas mehr als drei Millionen - erhalten wie Peer Steinbrück 2005. Doch da kam es zum Machtwechsel, weil die CDU 1,6 Millionen mehr Wähler mobilisierte als 2012. Jetzt steht Kraft als strahlende Siegerin da, obwohl die SPD hinter ihren früheren Ergebnissen geblieben ist.

Die SPD-Linke schöpft aus NRW neue Hoffnung auf eine rot-grüne Machtoption im Bund. Ist diese Hoffnung berechtigt?

Bundesweit glaubt kaum jemand, dass eine rot-grüne Koalition es besser machen würde als die jetzige schwarz-gelbe Regierung. Mangels entsprechender politischer Kompetenz gibt es deshalb keine Wechselstimmung, die SPD und Grüne für sich nutzen könnten.

Welcher Kanzlerkandidat der SPD passt aus Ihrer Sicht am besten in die neue Parteienlandschaft mit ihren unterschiedlichen Koalitionsmöglichkeiten?

Wie nach dem Sturz von Helmut Schmidt hat die SPD derzeit keinen überzeugenden Kanzlerkandidaten, der als wünschenswerte Alternative zu Angela Merkel gewertet wird. Zurzeit fehlt ihr jemand wie Gerhard Schröder, der nach 16 Jahren Opposition der SPD wieder zur Macht im Bund verhalf.

Aber was zeichnet den richtigen SPD-Kanzlerkandidaten aus?

Schaut man sich die jüngere Geschichte an, dann hatte aus Sicht der Wähler Hans-Jochen Vogel viel Kompetenz, aber wenig Sympathie. Johannes Rau hatte Sympathien, aber zu wenig Kompetenz, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping hatten weder Kompetenz noch Sympathien. Erst Gerhard Schröder hatte - im Vergleich zum damaligen CDU-Kanzler Helmut Kohl - höhere Sympathiewerte und Kompetenz.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.
Michael Inacker
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Wahlforschung: „Der SPD fehlt jemand wie Gerhard Schröder“"

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  • Also Güllner sollte sich erst einmal selbst fragen wie viel Manipulation er selbst betreibt mit seinen ständigen Umfragen, die derzeit alle Merkel hochjubeln. Wie wird denn gefragt? Wer wird befragt?
    Wie viele Antworten sind erlaubt usw.
    Diese Umfragen tragen enorm viel dazu bei, dass das Volk so wählt, wie es z. B. in NRW gewählt hat. Also so wählt, wie die Politik es möchte.
    Also Umfragen auf Betellung der jeweilgien Parteien?
    Wenn in dem Unterschichtblatt Bild und auch andereen Zeitungen am Samstag noch steht, die letzten Umfragen sehen die SPD bei 36%, dann wird sie natürlich gewählt.
    Die Umfragen in Zusamemarbeit mit der Presse sind in Wahrheit die Brandstifter in unserem Land.
    Die Presse sollte eigentlich Kritiker der Politik sein und nicht Schönredner. Und an einer solchen neutralen und investigativen Presse mangelt es in Deutschland
    Das gleiche gilt für unsere Systemmedien

  • netshadow
    Auf jeden Fall hat die SPD deutlich bessere Frauen als die CDU
    ------------
    So, so finden Sie
    Wenn Sie solche Frauen meinen wie diese Nahles oder diese Feministin aus Meck Pom, diese Schwesig, dann zweifle ich aber an Ihrem Weltbild
    Hinzu kommt, dass die SPD, gerade in Berlin mehr und mehr Muslimas hat, die angeblich so integriert sind, dass sie mit ganz strammen Kopftuch rumlaufen und vorrangig türkische Interessen vertreten. Abschaffung des christl. Religionsunterrichts z. B.
    Möchten Sie eines Tages von türkisch Frauen regiert werden? Oder von einer Nahles?

  • Liebe Handelsblatt-Redaktion,

    ich glaube, der Mann ist Wahlforscher ganz mit ohne Fische. (siehe Bildunterschrift) :)

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