Wahlkämpfer
Die Abteilung Attacke der SPD

Kajo Wasserhövel läutet für die Sozialdemokraten die zweite Phase des Wahlkampfs ein. Sie firmiert unter dem Slogan "Soziales Europa, starkes Europa" und gilt in der Partei als heiße Phase, die den Boden für die Bundestagswahl bereiten soll.

BERLIN. Wer in diesen Tage Karl-Josef Wasserhövel in seinem Büro besucht, der findet einen verwaisten Raum vor. Auf dem Schreibtisch liegt weder Papier, noch steht dort ein Computer. Nur einige Bilder hängen an der Wand - auch ein Wahlplakat von Gerhard Schröder. 2005 organisierte der Bundesgeschäftsführer Wasserhövel für den Alt-Bundeskanzler aus diesem Büro im fünften Stock des Willy-Brandt-Haus heraus den Wahlkampf.

Doch der verwaiste Raum trügt, Wasserhövel ist ebenso beschäftigt wie damals: Zwei Parteivorsitzende später und nach gut vier Jahren in der Großen Koalition verbringt er als alter und neuer Wahlkampfmanager der SPD nur die meiste Zeit des Tages im Nordflügel des dritten Stocks. "Nordkurve" nennen sie dort die Schaltzentrale. Wasserhövel, seine Abteilungsleiter, die Verbindungsleute der Werbe- und PR-Agenturen und die Mitarbeiter des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier sitzen hier und planen in Großraumbüros den SPD-Weg ins Kanzleramt.

230 Leute würden insgesamt im Willy-Brandt-Haus mitarbeiten, sagt Wasserhövel. Natürlich kokettiert einer wie er, denn de facto hat die Partei etwa 50 neue Wahlkämpfer befristet eingestellt, dazu kommen die zuarbeitenden Agenturen und jene 180 Genossen, die ohnehin bei der SPD fest angestellt sind. Das Team aber steht jetzt, und mit ihm beginnt für die SPD Teil zwei der Wahlkampfstrategie.

Bislang lautete das Motto: "Auf sie mit Gebrüll!" Parteichef Franz Müntefering und Fraktionschef Peter Struck ließen keine Gelegenheit aus, um den Begriff "Führungsschwäche" zu platzieren, wenn sie über Regierungschefin Angela Merkel öffentlich sinnieren. Nachhaltig durchschlagend war die Argumentation nicht - auch, weil es viel zu früh dafür war, wie Kritiker in der Partei anmerken. "Anpacken für unser Land" hatte Wasserhövel diese erste Phase genannt.

Die zweite heißt nun "Soziales Europa, starkes Europa". Mit ihr beginnt der Europa-Wahlkampf. Intern gilt er als die "heiße Phase" im Superwahljahr - auch, um den Boden für die Bundestagswahl zu bereiten: Binnen weniger Wochen will Wasserhövel die SPD-Anhänger an die Wahlurnen bewegen, auch wenn sie bei der letzten Europawahl lieber zu Hause geblieben sind. Dieses mal wirbt Wasserhövel mit einem Mehr an Arbeitnehmerrechten. Zumindest die Gewerkschaften begeistern sich dafür.

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