Wahlkampf-Gespräche
Gewerkschaften umschmeicheln Schröder

Trotz aller Meinungsunterschiede - den Gewerkschaften ist Gerhard Schröder letztlich doch lieber als CDU-Chefin Merkel. Beim Treffen des Kanzlers mit dem DGB überhäuften sich beide Seiten mit Sympathiebekundungen. Ein Ziel konnte Schröder jedoch nicht erreichen.

HB BERLIN. "Wir haben seit der Regierungserklärung von Gerhard Schröder im März diesen Jahres bis hin jetzt zur Parteitagsrede eine deutliche Hinwendung wieder auf die Themen und auf die Positionen, die wir auch vertreten", sagte Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Michael Sommer. Ohne die Konflikte in der Vergangenheit zu vergessen, "geht es ja jetzt auch darum, die Zukunft dieser Gesellschaft zu bestimmen", fügte er hinzu. "Ich glaube, dass es dort durchaus ein Maß an Übereinstimmung gibt." Eine Wahlempfehlung lehnte Sommer aber weiter ab.

Sommer und Schröder betonten nach dem rund 45-minütigen Treffen ihre Übereinstimmung im Streit um den Kündigungsschutz, die Tarifautonomie und die Pendlerpauschale, in denen sie in scharfem Gegensatz zu Union und FDP stehen. Als "sozialpolitisch absurd" wies der Kanzler die Unionspläne zurück.

Sommer unterstrich die Nähe der Gewerkschaften zur SPD mit Hinweis auf die Bedeutung der Steuerfreiheit von Schichtzuschlägen. Dies sei derzeit eines der zentralen Themen in den Betrieben. Die Arbeitnehmer wüssten sehr genau, wie die Parteien sich dazu stellten. Die SPD lehnt die von Union und FDP geplante Streichung der Steuerfreiheit ab.

Linkspartei bleibt größte Konkurrenz

Auch Schröder zeigte sich nach dem Treffen sicher, dass die Gewerkschafter mehrheitlich die SPD unterstützen würden. Die Unterstützung aus den Gewerkschaften selbst heraus ergebe sich aus den Übereinstimmung in den Inhalten. "Das spüre ich in meinen Veranstaltungen", sagte der Kanzler. Ohne die von zahlreichen Gewerkschaftern unterstützte Linkspartei zu erwähnen, fügte er hinzu: "Insofern habe ich keine Zweifel, dass die SPD nach wie vor die bevorzugte Partei der Mitglieder der deutschen Gewerkschaften ist." Dass die Führung keine Empfehlung abgebe, nannte er verständlich.

Die Gewerkschaften haben sich - auch vor dem Hintergrund der Linkspartei - einer klaren Wahlempfehlung enthalten. Allerdings hatten sie vor vergangenen Wahlen ihre traditionelle Nähe zur SPD deutlich betont und deren Wahlkampf durch eigene Anzeigen und Aktionen flankiert. Am Dienstag hatte sich die Spitze der Gewerkschaften mit Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel getroffen und ihre Gesprächsbereitschaft betont.

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