Wahlkampf im Netz: Wer mag mich?

Wahlkampf im Netz
Wer mag mich?

Facebook, Twitter, Google Hangout: Die Kanzlerin und ihr Herausforderer kämpfen im Netz um jeden Fan und Follower. Zwar ist auch Merkel kein Ureinwohner des Netzes, aber Steinbrück ist sie technisch meilenweit voraus.
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Angela Merkel posiert mit Sheryl Sandberg. Zwei der wichtigsten Frauen der Welt stehen Seite an Seite. Die Bundeskanzlerin, laut Forbes die unumstrittene Nummer Eins der mächtigsten Frauen, trägt einen weinroten Blazer. Sheryl Sandberg, als Facebook-Vizepräsidentin immerhin die Nummer 10 auf der Forbes-Rangliste, ist noch ein wenig farbenfroher gekleidet, knallrot ist ihr Kleid.

Das Bild ist auf der Merkels Facebook-Seite zu sehen, zwischen Fotos von Wahlkampfauftritten, Beileidsbekundungen an die Angehörigen der Opfer der Anschläge in Boston und Links zu Interviews der Kanzlerin. Modern, machtbewusst, aufgeschlossen: So zeigt sich die Kanzlerin gerne. Jeder einzelne Eintrag auf ihrer Facebook-Seite unterstreicht diese Attribute.

Ihr Konkurrent Peer Steinbrück hingegen gibt sich lieber bürgernah. Über Twitter verbreitet er am Wochenende ein Bild, das ihn in einem Meer von Wahlkampfhelfern zeigt. Steinbrücks Unterstützer sind im Willy-Brandt-Haus zusammen gekommen, um den Straßenwahlkampf einzuleiten. Und jeder, der Steinbrück oder der SPD bei Twitter und Facebook folgt, soll an dieser Aufbruchsstimmung teilhaben.

Der große Wettkampf um die Aufmerksamkeit des Internets, er ist eröffnet. Wenige Monate vor der Bundestagswahl übertrumpfen sich die Spitzenkandidaten mit ihren Online-Offensiven. Erst am Freitag wagte Angela Merkel wieder einen Vorstoß. Als erste Politikerin in Deutschland wagte sie sich an ein „Google Hangout“ heran.

Mit sechs Bürgern diskutierte sie über den Videochat-Dienst des Netzwerks Google+ über das Thema Integration. Problemlos lief das nicht ab: Technische Probleme schnitten einem Teilnehmer fast 50 Minuten das Wort ab, auch die Seite der Bundesregierung war zwischenzeitlich nicht mehr zu erreichen. Trotzdem sahen sich über 90.000 Menschen die Debatte live an.

Die Internet-Experimente der Kanzlerin, sie haben einen Grund: Über zwölf Millionen Deutsche, also 15 Prozent der Bevölkerung, sind sogenannte „Digital Citizen“, sagt Gerhard Vowe, Professor für politische Kommunikation an der Universität Düsseldorf. So bezeichnet die Wissenschaft Menschen, für die Politik fast ausschließlich im Internet stattfindet. Wer diese Menschen nicht im Netz erreicht, erreicht sie gar nicht, sagt Vowe.

Die Politiker haben das langsam erkannt. Laut Angaben des Analyse-Dienstet pluragraph.de waren im Januar 76 Prozent aller Bundestagsabgeordneten auf Facebook vertreten, rund 50 Prozent sind bei Twitter unterwegs.

Selbst der bekannte Internet-Muffel Peer Steinbrück ist mittlerweile auf Twitter aktiv. Lange Zeit hatte sich der SPD-Kanzlerkandidat dagegen gewehrt. „Ich twittere nicht", sagte Steinbrück noch im September. Doch ein Kanzlerkandidat, der sich vor dem Internet scheut, das passte nicht so ganz zur SPD-Wahlkampfstrategie. Steinbrück revidierte seine Aussage und ist seit Dezember bei Twitter vertreten - auch wenn er immer noch lieber andere für sich twittern lässt.

Kommentare zu " Wahlkampf im Netz: Wer mag mich?"

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  • Was für ein Niveau Facebook etc. Aber typisch für Politiker, denen alles recht ist wenn es nur Stimmen bringt.
    Die Interviews mit der Linken bei Phönix und CDU bei SWF
    sind nicht leicht für Prof. Lucke, denn sowohl die Interviewer wie die Herren der anderen Parteien verstehen von der Sache wenig, aber sind vor allem mit markigen Sprüchen dabei. AfD ist die einzige Chance noch etwas zu retten, denn die EU in Brüssel und die Politiker in den 17 Ländern machen weiter bis alles weg ist !

  • Bei der FDP? Was es nicht alles< gibt. LOL

  • <ota
    sie war ja auch Sekretärin für Agitation und Propagnd bei der FDP. Sie verstht davon was

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