Wahlkampf in Hessen: Schäfer-Gümbel: Der Zählkandidat hofft auf ein Wunder

Wahlkampf in Hessen
Schäfer-Gümbel: Der Zählkandidat hofft auf ein Wunder

Er rennt von Termin zu Termin, spricht mit Arbeitern, Passanten, Bürgern - voller Hoffnung, dass am Sonntag ein Wunder geschieht: Thorsten Schäfer-Gümbel, Spitzenkandidat der Hessen-SPD, den vor kurzem noch keiner kannte. Wie ein Kandidat versucht, das Rad noch herum zu reißen.

WIESBADEN. Er läuft und läuft und läuft - vor der Vergangenheit davon und der Zukunft entgegen. Thorsten Schäfer-Gümbel, den bis vor wenigen Wochen nur die wenigsten Hessen kannten, tut alles, die SPD in seinem Bundesland noch zu retten.

Es ist einer dieser kalten Januartage mit Minusgraden, an denen der SPD-Spitzenkandidat wieder früh am Morgen aufbricht, um sich im Land bekannt zu machen. Um acht Uhr zeigt das Thermometer 14 Grad minus. Jetzt, zwei Stunden später, steht er auf dem Wiesbadener Luisenplatz mit gerade einmal fünf Gewerkschaftern. Hinter ihnen steht ein haushoher roter Container, auf dem sie den Mindestlohn fordern. Als "Mahnmal gegen die Ungerechtigkeit" bezeichnet Schäfer-Gümbel den Ort. "Nichts kurbelt die Binnennachfrage besser an als faire Löhne", sagt er mit staatsmännischer Geste. Dann lässt er sich frierend Kaffee reichen.

Gut, dass er einen roten Schal dabei hat. Den hat ihm die Chemiegewerkschaft geschenkt. Er hat versprochen, ihn gut sichtbar mit dem IGBCE-Logo zu tragen. Vor allem hat er ihnen eine pragmatische Industriepolitik versprochen und bezahlbare Energie. Die Phantasien der SPD-Linken aus dem ersten Wahlkampf, die vor allem den wirtschaftsfreundlichen Flügel der Partei auf die Palme gebracht hatten, sollen der Vergangenheit angehören.

Der groß gewachsene 39-Jährige steigt in den Reisebus, auf dem das Banner "Engelhardt Reisen" prangt. Kein Konterfei von ihm ist von außen zu sehen, kein Parteilogo, wie bei den Bussen des Rivalen Roland Koch. So erfährt also niemand, dass Schäfer-Gümbel durchs Land fährt. Die Busse der Union - gleich fünf Stück - könne die SPD sich nicht leisten.

Fünf bis sechs Termine absolviert er an jedem Tag in diesem Turbowahlkampf, der nur 71 Tage dauert. Er muss durchs Land reisen. Er hofft, noch einige der mehr als 40 Prozent unentschlossenen Wähler für sich zu gewinnen, wenn sie am Sonntag ihr Kreuz setzen. Schäfer-Gümbel hofft weiter auf ein Wunder - als gäbe es die aktuellen Umfragen nicht, die der Union 41, der FDP 15 Prozent und der SPD nur 24 Prozent der Stimmen vorhersagen. Ein Rekord für Schwarz-Gelb also und ein Desaster wie nie zuvor für die SPD - zwölf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr, als Parteichefin Andrea Ypsilanti sich anschickte, Roland Koch zu stürzen. Bekanntlich scheiterte sie an der eigenen Partei, die nicht einstimmig mit der Linkspartei paktieren wollte.

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