Wahlkampf in Krefeld
Kanzler verspricht Betriebsräten eine Reformpause

Endlich kommt Stimmung auf im kühlen Saal am Niederrhein. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat mit deftigen Worten doch noch den Nerv der versammelten Betriebsräte getroffen: „Wir wollen keine Zukunft, in der Lohndumping die Arbeitsverhältnisse total zerstört“, ruft er.

HB KREFELD. „Wer ausländische Arbeitnehmer gewissenlos ausbeutet, muss an den Kanthaken genommen werden“, wettert der Kanzler in den Betonsaal des Seidenweberhauses in Krefeld, das den Charme eines Parkhauses ausstrahlt. Da klatschen die versammelten Betriebsräte.

Zuvor hatte der Kanzler staatsmännisch seine Wirtschaftsreformen verteidigt, die Arbeitnehmern und ihren Vertretern einiges abverlangt hatten. Doch den 600 Betriebsräten des Thyssen-Krupp-Konzerns ist heute zum Feiern zumute. Es geht in ihren Betrieben nicht mehr nur um Sparprogramme, Stilllegungen oder Produktionsverlagerungen ins Ausland. An Rhein und Ruhr gibt es wieder etwas zu verteilen.

Vor allem Chinas Rohstoffhunger hat dem Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp ein Rekordjahr beschert. An Feiertagen werden in Bochum und Duisburg Sonderschichten gefahren, Koksereien werden nicht mehr abgetragen, sondern geplant. Eine alte Industrie erlebt eine Renaissance – dank der Globalisierung. „Wir wollen Aufbruchstimmung“, bringt es Betriebsrätin Annegret Finke auf den Punkt.

Und weil in Nordrhein-Westfalen Wahlkampf ist, verspricht Schröder den angestammten SPD-Wählern direkt noch eine Reformpause: Kündigungsschutz und Mitbestimmung würden nicht angetastet, betont der Kanzler: „Wenn die Wirtschaftsverbände jetzt gleich die nächsten Forderungen nachlegen, statt erst einmal zu investieren, dann werden wir nicht nachgeben.“

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