Wahlkampf mit Nuklar-Energie
Atomkraft stoppt schwarz-grüne Annäherung

Es hätte so schön sein können: Schwarz-Grün im Bund als neue, frische Option. Doch wenn es um Kernkraft geht, finden solche Überlegungen ein jähes Ende. Jetzt erteilen grüne Spitzenpolitiker der Union eine klare Absage.

BERLIN. Die Grünen wollen den dauerhaften Ausstieg aus der Atomkraft zu ihrem Kernthema im kommenden Wahlkampf machen. "Ein Bündnis mit einer CDU, die Atomkraft forciert, ist für uns nicht machbar", sagte Volker Ratzmann und schloss sich damit der Meinung seines Konkurrenten um den Grünen-Vorsitz, Cem Özdemir, an. Mit ihren Überlegungen, die deutschen Atomkraftwerke länger laufen zu lassen, habe die Union einer schwarz-grünen Koalitions-Option nach der Bundestagswahl 2009 die Grundlage entzogen, sagten beide in Zeitungsinterviews. Beide Politiker gehören dem wirtschaftsfreundlichen realpolitischen Flügel an. Im Anti-Atomkurs sehen sich die Realos allerdings mit dem linken Flügel völlig einig.

"Zum grünen Profil gehört es, gegen Atomkraft zu sein", sagte die ebenfalls zum Wirtschaftsflügel zählende Grünen-Finanzpolitikern Christine Scheel dem Handelsblatt. Daher sei es nur logisch, dass die frühere Staatssekretärin Margareta Wolf die Partei verlassen habe - auch wenn sie persönlich den Schritt der einstigen Parteifreundin bedaure. Denn Wolf habe viel dafür getan, dass die Grünen überhaupt ein wirtschaftspolitisches Profil gewonnen haben. Wolf hatte am Montag ihren Austritt erklärt, nachdem sie aus der Parteiführung heftig für ihren neuen Job als Beraterin für den "Informationskreis Kernenergie" kritisiert worden war. Vor allem der zum linken Flügel zählende frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin hatte seine einstige Staatssekretärin Wolf hart für den Seitenwechsel kritisiert.

Für einst erfolgreiche Grünenpolitiker des Realo-Flügels scheint es allerdings generell schwer zu sein, der Partei die Treue zu halten und trotzdem eine Anschluss-Beschäftigung in der Wirtschaft anzunehmen - zumal sie allzu häufig genau dahin wechseln, wo die Grünen den politischen Feind verorten: Matthias Berninger, der früher als Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium beruflich gegen Übergewicht eintrat, arbeitet nun für den weltgrößten Süßigkeitenhersteller Mars. Marianne Tritz, lange Mitarbeiterin beim Grünen Fritz Kuhn, leitet seit Kurzem den neu gegründeten Verband der Zigarettenindustrie. Gunda Röstel wechselte zu Eon - aber zum Glück zur unverdächtigen Tochter Gelsenwasser. Und der einstige Wirtschaftsstaatssekretär Rezzo Schlauch steht nun auf der Seite von EnBW - wo er unverdächtige erneuerbare Energien voran bringen will. Oswald Metzger, der einstige haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, wechselte gar zur CDU und kämpft dort für seine Rückkehr in den Bundestag.

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