Wahlkampf
Nicht ohne seine Frau ins TV

Frank-Walter Steinmeier fehlt es an persönlichem Profil. In der Öffentlichkeit ist er immer noch wenig bekannt. Deshalb soll er nun nicht nur als Politiker, sondern auch als Mensch Kontur gewinnen. Bei Kerner zeigte er sich mit Ehefrau als Politiker zum anfassen.

BERLIN. In der SPD-Zentrale kennen sie Straßenumfragen über den Kanzlerkandidaten wohl nur allzu gut: Ein Reporter zeigt Passanten ein Bild von Frank-Walter Steinmeier und fragt: Kennen Sie diesen Mann? Ratloses Kopfschütteln von zwei Punkerinnen. „Ich glaube, der hat mit Politik zu tun“, sagt ein Rentner. „Bestimmt so ein Bankmanager“, vermutet ein Anzugträger. Und dann der Tiefschlag: „Das ist doch der Steinbrück“, lächelt eine Mittfünfzigerin in die Kamera.

Der Kanzlerkandidat, den keiner erkennt, kann jedenfalls gute Laune. In der ZDF-Sendung „Kerner“ setzt er nach diesem Einspielfilm einfach einen drauf und erzählt, dass ihn erst neulich bei der Uno in New York eine Besuchergruppe mit einem fröhlichen „Schön, dass wir Sie hier treffen, Herr Steinbrück!“ begrüßt habe. Aber umgekehrt sei Steinbrück das Gleiche auch schon passiert. Und damit es ihm, dem Kanzlerkandidaten, bald nicht mehr passiert, hat kürzlich der erfahrene SPD-Wahlkämpfer Gerhard Schröder den entscheidenden Satz gesagt: „Jetzt muss die Frau mal ran.“ Und so sitzt Steinmeier in der Nacht zu Donnerstag, zwischen Flugzeugabsturz-Bewältigung und Arcandor-Rettungsversuchen, erstmals gemeinsam mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender in einer TV-Show und kämpft gegen das Image, ein sturer Aktenfresser und trockener Beamtentyp zu sein.

Die Inszenierung des Politikers zum Anfassen braucht offenbar die Ehepartner – heute mehr noch als zu jenen fernen Zeiten, da ohnehin klar war, dass der jeweilige Kanzler im Hintergrund seine Ehefrau hatte, die ihm die Familie organisierte. Schröder war als Kanzler kaum denkbar ohne seine Doris. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) präsentierte öffentlich sein neues Familienglück mit der Jüngeren ebenso wie Matthias Platzeck (SPD) in Brandenburg. Horst Seehofer (CSU) kehrte gerade noch rechtzeitig vor dem Aufstieg als Bayerns Ministerpräsident zu seiner Frau in München zurück. Und eigentlich hätte es der Boulevard am liebsten, wenn es ein deutsches Obama-Glamour-Paar gäbe.

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