Wahlkampf-Rückblick
Kirchhof rechnet mit Schröder ab

Paul Kirchhof fühlt sich ungerecht behandelt. Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel ursprünglich als Finanzminister vorgesehene Steuerexperte hat das Verhalten einiger Politiker im Wahlkampf scharf angegriffen. Im Zentrum seiner Kritik: Altkanzler Schröder und führende Unionsmitglieder.

HB BERLIN. In einem „Stern“-Interview beklagte er sich insbesondere über Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der sich im Wahlkampf vielfach über ihn lustig gemacht hatte. Kirchhof sagte, er sei aber auch sehr erstaunt gewesen, wie Spitzenpolitiker der Union auf Distanz zu ihm gegangen seien.

Der Wissenschaftler wies Analysen zurück, er habe maßgeblich dazu beigetragen, dass CDU und CSU bei der Bundestagswahl Mitte September unter ihren Möglichkeiten geblieben seien. Kirchhof hatte als Schattenfinanzminister für eine radikale Steuerreform geworben. Als Unionspolitiker während des Wahlkampfs unerwartet den CDU-Finanzexperten Friedrich Merz lobten, war dies als Abrücken von Kirchhof interpretiert worden.

Besonders verletzend sei Schröders Vorwurf gewesen, er, Kirchhof, wolle die Deutschen zu Versuchskaninchen machen, sagte der Heidelberger Professor. „Das schlimmste Wort war das von den Menschenversuchen.“ Denn das habe in der deutschen Wissenschaftsgeschichte eine sehr ungute Tradition.

Während Schröder sich nicht entschuldigt habe, hätten viele Sozialdemokraten - einige noch während des Wahlkampfes - die Angriffe auf ihn bedauert. „Das geht so nicht, ich schäme mich, ich entschuldige mich“, habe es in Briefen an ihn geheißen. Kritik äußerte Kirchhof auch an den Medien, da sie Angaben über sein Steuerkonzept „einfach so nachgeplappert“ hätten, obwohl sie nicht gestimmt hätten.

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