Wahlkampf
SPD-Streiter an einsamer Front

2002 war es die Oderflut, die Gerhard Schröder rettete, 2005 stimmten im Ostdeutschland wieder so viele für die SPD, dass es noch einmal für die Große Koalition reichte. Und auch dieses Mal könnte die Ost-SPD Frank-Walter Steinmeier im Wahlkampf Rückenwind verschaffen. Doch umgekehrt hält sich die Bundespartei mit Wahlkampfhilfe für Ost-Politiker zurück.

BERLIN. Christoph Matschie sitzt vor einer Schar Kinder und lauscht seinem Geburtstagslied. Die „Pferdchenkinder“ der Tagesstätte „Am neuen Ufer“ im thüringischen Mühlhausen haben sich auf den Besuch des SPD-Spitzenkandidaten vorbereitet und ihm sogar Blumen gepflückt. „Ich komme jetzt jedes Jahr zu meinem Geburtstag hier her“, sagt Matschie.

Als Nachwuchshoffnung kann der rothaarige SPD-Politiker nicht mehr gelten. 48 Jahre alt ist er an diesem dritten Tag seiner Sommertour geworden. Am 30. August wählen die Thüringer einen neuen Landtag. CDU-Landesvater Dieter Althaus wird die absolute Mehrheit wohl verlieren. Vielleicht erreicht Christoph Matschie ein Bündnis mit der Linken. Das könnte der SPD Rückenwind für die Aufholjagd im Bund geben. Zeitgleich wählen Brandenburg und Sachsen. Entscheidet sich die Wahl wieder mal im Osten?

2002 war es die Oderflut, die Gerhard Schröder rettete, 2005 stimmten wieder so viele für die SPD, dass es noch einmal für die Große Koalition reichte. „Im Westen leben zwar vier Fünftel der Wähler, und auch die Wahlbeteiligung ist höher“, sagt Meinungsforscher Richard Hilmer von Infratest-dimap. Da aber die letzten Wahlen knapp ausfielen und die Ostdeutschen nicht festgelegt seien, „lohnt sich der Wahlkampf im Osten“.

Doch das scheint die SPD im Bund anders zu sehen. Als Wahlkampfhilfe hat sie Matschie lediglich einen Mitarbeiter und ein Auto aus Berlin geschickt. Für alles andere sind der Spitzenkandidat und seine 14 Landtagsabgeordneten selbst verantwortlich. Der Ost-Parteitag, den die SPD vor Bundestagswahlen immer abgehalten hat, fällt aus. Die Bundespartei lädt stattdessen am 15. August zum Bürgerfest in Weimar ein. Mehr Geld sei nicht da, bekamen die Thüringer Genossen aus Berlin zu hören. Matschie sagt, er sei lieber nah bei den Menschen, anstatt eine Delegiertenkonferenz abzuhalten. In Thüringen hat die SPD nur gut 4 300 Genossen – zu wenig, um in Berlin Gehör zu finden.

Dabei verkörpert die Ost-SPD politische Macht. Sie regiert in fünf der sechs Ost-Länder inklusive Berlin und stellt Regierungschefs in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und der Hauptstadt – auch wenn die Partei im Schnitt nur auf 23 Prozent der Stimmen kommt. Aber in Bundesländern, in denen neben Union und SPD auch die Linkspartei als Volkspartei gilt, reicht das für den Griff nach der Macht.

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