Wahlkampf
SPD und Steinmeier versinken im Umfragetief

Noch gut sieben Wochen bis zur Wahl und die Umfragewerte wollen sich einfach nicht bessern, im Gegenteil: Der Abstand zur CDU wird noch größer.

HB FRANKFURT.Der Wahlkampfstart der SPD ist Umfragen zufolge wirkungslos verpufft. ZDF-Politbarometer, N24/Emnid und der Deutschlandtrend der ARD weisen für die Sozialdemokraten übereinstimmend sogar einen Verlust von einem Prozentpunkt und einen Wert von nur noch 23 Prozent bei der Sonntagsfrage aus.

Alle drei Umfragen weisen derzeit eine Mehrheit für Schwarz-Gelb aus. Das Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen sah CDU/CSU bei der Sonntagsfrage weiter bei 36 Prozent. Keine Veränderungen gab es demnach auch bei der FDP (14 Prozent) und der Linken (9 Prozent). Die Grünen legen einen Punkt auf 12 Prozent zu. Emnid wies am Freitag 35 Prozent für die Union aus, 15 Prozent für die FDP, 12 für die Grünen und 11 Prozent für die Linke. Infratest dimap ermittelte im Deutschlandtrend ein Plus von zwei Punkten für die FDP auf 16 Prozent. Die Union kann demnach mit 35 Prozent rechnen (minus eins). Linke und Grüne erreichen unverändert 10 und 13 Prozent.

Besonders Steinmeiers Deutschlandplan trifft auf Skepsis. Nur 13 Prozent der Bürger halten es laut Politbarometer für realisierbar, bis zum Jahr 2020 vier Millionen neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen. 83 Prozent glauben nicht, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Diese Einschätzung teilen auch gut zwei Drittel der SPD-Anhänger. Laut Deutschlandtrend halten 73 Prozent das Ziel für unrealistisch.

Der Außenminister verliert auch persönlich an Ansehen. Er erreichte laut ZDF auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf nur noch einen Durchschnittswert von 0,8 Prozent. Das waren 0,2 Punkte weniger als beim zweiten Politbarometer im Juli. Kanzlerin Angela Merkel behauptet sich bei 2,0 und bleibt knapp hinter Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Nummer zwei auf der Popularitätsskala.

Die CDU-Vorsitzende hält ihren Herausforderer auch bei der K-Frage auf Distanz: Derzeit wollen genau wie Ende Juli 62 Prozent Merkel wieder als Kanzlerin und nur 25 Prozent Steinmeier. Dabei erhält die Regierungschefin weiterhin viel mehr Zuspruch in den eigenen Reihen (93 Prozent) als Steinmeier bei den SPD-Anhängern (53 Prozent).

Beim Vergleich der Eigenschaften Glaubwürdigkeit, Sympathie und Durchsetzungsfähigkeit hat die Kanzlerin einen deutlichen Vorsprung vor dem SPD-Kandidaten. Nur beim Thema Arbeitsmarkt trauen die meisten Wähler beiden Politikern wenig zu: So glauben 19 Prozent, dass eher Merkel für neue Arbeitsplätze sorgen könne. 10 Prozent nennen Steinmeier, aber 55 Prozent sehen keinen Unterschied zwischen den beiden.

SPD-Chef Franz Müntefering äußerte sich dennoch kämpferisch: "Wir haben deutlich mehr Unterstützung, als das die gegenwärtigen Umfragen zeigen", sagte er. Wenn die Beteiligung an der Bundestagswahl in sieben Wochen bei 78 oder gar 80 Prozent liege, dann ist unsere Chance da, dass wir entscheidende politische Kraft werden".

Derweil stellte nach dem Hamburger SPD-Landeschef Ingo Egloff auch der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner die Wahlkampfstrategie der Bundespartei infrage. "Ich warne vor der Annahme, dass alle Wählerinnen und Wähler automatisch erkennen und honorieren, welchen Stempel wir Sozialdemokraten der Regierung aufgedrückt haben", sagte Stegner dem "Hamburger Abendblatt".

Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 4. bis 6. August 1.194 zufällig ausgewählten Wahlberechtigte, Emnid für N24 etwa 1.000 (Sonntagsfrage 2.340), Infratest dimap befragte 1.002 Wahlberechtigte, für die Sonntagsfrage 1.541.

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