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Wahlkampf: Steinbrück verspricht neuen Aufbruch

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat nichts mehr zu verlieren. Er nutzt die Bürgersause am Brandenburger Tor für eine staatstragende Skizzierung seines Regierungsprogramms - und genehmigt sich sogar ein Bier.

Peer Steinbrück, Spitzenkandidat der SPD, unterhält sich bei seinem Rundgang über das Deutschlandfest der SPD mit Passanten. Er trank dabei ein Bier - alkoholfrei, wie seine Freunde betonen. Quelle: dpa
Peer Steinbrück, Spitzenkandidat der SPD, unterhält sich bei seinem Rundgang über das Deutschlandfest der SPD mit Passanten. Er trank dabei ein Bier - alkoholfrei, wie seine Freunde betonen. Quelle: dpa

BerlinZum Schluss nimmt Peer Steinbrück einen kräftigen Schluck Pils. Auf Anraten seiner Frau hatte er sich ein Gelübde auferlegt und erklärt, im Wahlkampf auf Alkohol zu verzichten. Doch als ihm auf der riesigen Bühne am Brandenburger Tor der Erfinder der Comic-Figur Werner, Rötger „Brösel“ Feldmann, plötzlich das Glas reicht, kann der SPD-Kanzlerkandidat nicht widerstehen. Steinbrücks Umfeld versucht anschließend zu versichern, es sei alkoholfreies Bier gewesen.

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Hinter dem 66-Jährigen liegen anstrengende 50 Minuten, in denen er die Bürger beim SPD-Deutschlandfest von seinem Kanzleranspruch zu überzeugen versucht hat. SPD-Chef Sigmar Gabriel spricht von 200.000 Leuten, später erhöht die Partei die Zahl auf 300.000.

Insgesamt am Wochenende sollen es 500.000 Besucher gewesen sein. „Beim Wahlkampfauftakt von Angela Merkel waren es knapp 1000“, kann sich Gabriel einen Seitenhieb auf die Kanzlerin nicht verkneifen.

Wegweisende SPD-Programme

  • 1891

    Nach dem Eisenacher Programm (1869) und dem Gothaer Programm (1875) der Gründerorganisationen Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (ADAV), Sozialdemokratischer Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) und Sozialistischer Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) ist das Erfurter Programm das erste Programm der SPD. Als erste Partei in Deutschland fordert sie die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Männer und Frauen, eine Abschaffung von Gesetzen, die Frauen benachteiligen, und die Einführung eines Acht-Stunden-Tages sowie ein Arbeitsverbot für Kinder unter 14 Jahren. Insgesamt strebte die Partei eine Überwindung des herrschenden Systems an – das Programm war vom Marxismus geprägt.

  • 1921/25

    Im Görlitzer Programm bekannte sich die Partei erstmals dazu, nicht nur Klassenpartei der Arbeiter zu sein, sondern eine Art linke Volkspartei. Fast visionär mutet heute das Heidelberger Programm von 1925 an, in dem eine Zurückdrängung des Finanzkapitals gefordert wurde. Aus ökonomischen und politischen Gründen sei die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsunion notwendig, die SPD schlug daher die Gründung der „Vereinigten Staaten von Europa“ vor.

  • 1959

    Am bekanntesten ist das Godesberger Programm, das gemeinhin unter der Überschrift „Abschied vom Marxismus“ firmiert. Es wurde für 30 Jahre Richtschnur der Partei und ebnete den Weg hin zu einer Volkspartei mit über einer Million Mitgliedern in den 70er Jahren. Der Weg zum Sozialismus war nun nicht mehr das erklärte Ziel. Die Partei bemühte sich um eine Annäherung an die katholische Kirche und versuchte, auch für die Wirtschaft attraktiver zu werden.

  • 2007

    Nach dem Berliner Programm 1989 dauerte es nur acht Jahre bis 2007 das aktuell gültige Hamburger Programm beschlossen wurde. Es soll die Partei für das 21. Jahrhundert positionieren, etwa mit Blick auf eine politische Gestaltung der Globalisierung. Wichtige Punkte sind die internationale Stärkung der Demokratie und eine Eindämmung der Macht von global agierenden Konzernen. Aber im Fokus stehen auch Themen wie Klimaschutz und Sicherung ökologischer Lebensgrundlagen. Die Partei fordert zudem ein sozialeres und demokratischeres Europa sowie eine stärkere Beteiligung der Bürger („Bürgergesellschaft“).

Allerdings ist nicht zu ermitteln, wie viele Menschen wegen der Gratis-Konzerte - unter anderem Nena und Roland Kaiser - hier sind. Und wie viele der SPD wegen. Eigentlicher Anlass ist das 150-jährige Bestehen der Sozialdemokratie, das nach dem Festakt im Mai noch einmal mit den Bürgern gefeiert wird. Kosten: zwei Millionen Euro.

Steinbrück blickt während seiner Rede von der opulenten Bühne, die das Brandenburger Tor komplett verdeckt, auf ein Menschenmeer. Er breitet die Arme aus, ballt die Hände zur Faust. Doch Jubelgesten eines Gerhard Schröder sind nicht sein Ding.

Der Mann ist ungelenker im Umgang mit dem Volk. Es ist eine Bewerbungsrede an das Volk, eine Art Regierungserklärung. Zu erleben ist der Staatsmann Steinbrück. Er schlägt einen weiten Bogen. Da hinter den Bäumen, im Reichstag, habe der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann am 9. November 1918 nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs die Weimarer Republik ausgerufen.

  • 21.08.2013, 12:32 Uhrgeorge.orwell

    Was für ein billiger, dummer Versuch die bürgerliche, von vernünftigen Menschen aus dem Volk getragene AfD zu beschmutzen. Jämmerlich.

  • 21.08.2013, 12:29 Uhrgeorge.orwell

    Welcher Narr, welcher blinde Idiot sollte diesem Mann vertrauen?

    Merkel weiß sich noch zu tarnen, aber er gibt sich offen wie er ist: Für Alles zu haben, Hauptsache der Preis stimmt. Ein Mann, befreit von jeglicher moralischer Begrenzung. Ein strammer Bilderberg-Soldat.

  • 19.08.2013, 13:23 UhrSteuerKlasseEins

    Das Problem der SPD heißt Merkel. Sie hat alle erdenklichen links-grünen Ideen kopiert und übernommen. Wozu braucht man eine Sozial-Partei, wenn man in Gestalt der Merkelschen CDU/CSU bereits eine Öko-Sozialistische Partei erster Güte hat? Eben, man braucht die SPD dann nicht mehr. Nach der Wahl könnte es eher Schwarz-Grün werden als Rot-Grün.
    Man kann also Frau Merkel nur gratulieren! Daß sie damit die CDU/CSU-Wähler verraten hat und die Prinzipien Ludwig Erhards mit Füßen tritt, ist dabei nebensächlich. Merkel geht es um den Machterhalt, koste es die Bürger Steuergeld, Leid und Elend was es wolle!

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