Wahlkampf
Union und SPD streiten über Elefanten-Runde

Die Teilnahme von Spitzenpolitikern an Fernseh-Debatten bleibt Konfliktthema im Wahlkampf. Nach der Kritik am Nein von Kanzlerkandidatin Merkel zu einem zweiten direkten Duell mit Bundeskanzler Schröder attackierten wiederum Union und FDP den Amtsinhaber. Vom "majestätischen Kneifen" und "Staatsschauspielerei" ist die Rede.

HB BERLIN. Grund für den neuen Streit ist die Weigerung Gerhard Schröders, an einer ZDF-Runde am 25. August mit den Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien teilzunehmen. "Hier wird deutlich, dass selbst in der SPD niemand mehr mit Schröder rechnet", sagte CDU-Generalsekretär Volker Kauder. Schröder sei "ein virtueller Spitzenkandidat, der nur noch seine eigene Denkmalpflege betreibt".

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel bezeichnete das Nein Schröders, an der so genannten Elefanten-Runde teilzunehmen, als "majestätisches Kneifen". Schröder weiche aus, "sobald es im Fernsehen nicht mehr nur um Staatsschauspielerei, sondern um echte Sachpolitik geht und er vor allen anderen Parteien bestehen muss", sagte Niebel.

Die SPD hatte am Montag bekannt gegeben, dass an der ZDF-Runde von ihrer Seite Parteichef Franz Müntefering teilnehmen wird. Merkel hatte dem Sender dagegen wie die Spitzenkandidaten von FDP und Grünen, Guido Westerwelle und Joschka Fischer, eine Zusage gegeben. Auch der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber wird nach Angaben des Senders teilnehmen.

Merkel will es Schröder nicht leicht machen

SPD-Sprecher Lars Kühn hatte zur Begründung gesagt, der Kanzler habe seiner Herausforderin Merkel zwei Fernsehduelle angeboten. Bekannterweise habe sie aber nur einem zugestimmt. Dieses "Duell" soll am 4. September stattfinden und von ARD, ZDF, RTL und Pro7/SAT.1 gleichzeitig übertragen werden. Die Bundestagswahl ist für den 18. September geplant.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos sagte, er hätte es für richtig gehalten, wenn es zu gar keinem direkten Duell zwischen Schröder und Merkel gekommen wäre. Schließlich gelte in Deutschland nicht das Mehrheitswahlrecht, sondern das Verhältniswahlrecht, das kleinere Parteien begünstige. Alt-Kanzler Helmut Kohl habe daher Zweiergespräche immer abgelehnt. Merkel werde es Schröder aber "nicht so leicht machen."

Den Streit um die Fernsehauftritte bezeichnete Glos als "typische Sommerlochdiskussion". Nachdem von der Union die Absage eines zweiten Fernsehduells mit mangelnder Zeit der Kandidatin begründet worden war, hatte Merkel zuletzt darauf verwiesen, dass sie "in diesem kurzen Wahlkampf möglichst viele Fernseh-Formate" bestreiten wolle - darunter auch eine Diskussion der Spitzenkandidaten.

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