Wahlkampf
Verpatzter Start auf dem CSU-Parteitag

Der Parteitag der CSU war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen bietet das Wahlprogramm der CDU-Schwesterpartei reichlich Gesprächsstoff. Zum anderen war es interessant zu beobachten, wie Horst Seehofer und Angela Merkel miteinander umgingen. Ein Stimmungsbericht aus Nürnberg zeigt: Es hätte besser laufen können.

NÜRNBERG. Was soll sie jetzt schon groß machen? Angela Merkel lächelt, sie hält beide Hände verschränkt, drückt die Handflächen nach außen, beinahe mädchenhaft tänzelt die Kanzlerin im lila Blazer. Horst Seehofer steht mit seinen hünenhaften 1,93 m groß am Pult daneben und lässt Merkel zappeln. Mit sichtlichem Genuss lüftet er auf der Bühne des CSU-Parteitags in Nürnberg ein gut gehütetes Geheimnis. Ein Lilliput-Bändchen des Langenscheidt Wörterbuchs Bairisch und einen Schmöker zur bayerischen Geschichte habe er für die Kanzlerin im Gepäck, sagt er, damit sie ihn besser versteht.

„Humor und Hintersinn“, müsse das Geschenk für die CDU-Chefin haben, hatte Seehofer vor ein paar Tagen gesagt. Beides dürfte auch der Auswahl des Ständchens zugrunde gelegen haben, den der Junge Chor Nürnberg eben aufgeführt hat. „Zum Geburtstag wünschen große und kleine Leute heute viel Glück – denn du bist unser bestes Stück.“

Merkel lächelt, was soll sie sonst tun? Ausgerechnet an ihrem 55. Geburtstag war die Kanzlerin am Freitag zu Gast auf dem CSU-Parteitag. Eben hat sie 40 Minuten geredet, jetzt steht sie da und hört dem Chor zu. Der singt auf einer Showtreppe, die der Parteitagsbühne einen Hauch von West Side Story verleiht. Wer statt Ständchen eine Klärung der schwelenden Streitfragen zwischen den Unions-Schwesterparteien etwa in der Europapolitik erwartet hatte, wurde von all dem Geplänkel enttäuscht. Doch ist diese Debatte ohnehin nur Ausdruck einer weit grundsätzlicheren Auseinandersetzung: Merkel oder Seehofer – wer bestimmt den Ton in der Union?

Die Kanzlerin und CDU-Chefin ist zu Gast in der Höhle des Löwen. Angela Merkel spricht zu der Partei, deren Führung ihr in Berlin seit Monaten das Leben schwer macht. Steuerpolitik, Gentechnik, Gesundheitsreform, jetzt Europa – überall bringt Horst Seehofer seine CSU gegen Merkel in Stellung. Obwohl der dabei Ziele verfolgt, die für die CSU Tradition haben – Eigenständigkeit, Augenhöhe in Berlin –, führen seine Attacken bislang nicht zu neuer gemeinsamer Stärke.

Seite 1:

Verpatzter Start auf dem CSU-Parteitag

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%