Wahlkampf
Was Frank-Walter über die Rhönhexe bloggt

Er hockt mit Ottfried Fischer im Münchener Biergarten, lernt die „Rhönhexe“ im unterfränkischen Ostheim kennen und zieht den Hut vor Altenpflegerinnen. Seit einer Woche bloggt SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier höchstpersönlich über seinen Wahlkampf. Der Leser erfährt dabei so allerhand. Eine Blogschau.

DÜSSELDORF. In Dortmund, „wo junge Erwachsene die Ärmel hochkrempeln“, um sich eine zweite Chance auf dem Arbeitsmarkt zu „erkämpfen“, dort bekommt der SPD-Kanzlerkandidat ein Miniatur-Drachenboot geschenkt, das die „jungen Leute“ selbst gebaut haben. „Die Herausforderung wird sein, dieses Boot unbeschädigt nach Berlin zu bekommen“, bloggt Frank-Walter Steinmeier. Da ist es genau 18:42 Uhr. Steinmeier hat den ersten Tag seiner Sommerreise hinter sich – und den ersten Blogeintrag über seinen Wahlkampf. In den kommenden Wochen wird hier, im FWS-Blog, zu lesen sein, was der Sozialdemokrat so alles unternimmt, um sich und seine Partei aus dem Umfragetief zu reißen. Zum Beispiel Drachenboote nach Berlin bringen.

Seit dem ersten Blogeintrag ist nun eine Woche vergangen. Zeit also für eine erste Blogschau. Frank-Walter Steinmeier hat viel gemacht in diesen sieben Tagen. Das zeigen schon die Fotos im Blog: Steinmeier umringt von einer riesigen Journalistenmeute zum Auftakt seiner Sommerreise quer durch die Republik. Steinmeier ganz interessiert beim Schmierstoffhersteller Liqui Moly. Steinmeier, der beim Max-Planck-Institut durch ein Mikroskop schaut. Steinmeier bei einem Elektro-Nutzfahrzeugbauer in Wunstorf („Ich durfte selbst 'ne Runde um den Block drehen. Zieht hurtig ab das Gefährt“). Vom Besuch beim Brausehersteller Bionade gibt es gleich zwei Fotos, und auch der offizielle Werbespruch wird zitiert: „Jede Revolution beginnt mit einem leichten Prickeln“. Steinmeier verrät: „Übrigens schmeckt mir besonders die Sorte Holunder. Und wie ich höre, läuft diese rote Geschmacksrichtung mit Abstand am besten.“ Der Blogeintrag heißt denn auch „Rot läuft am besten“. Der Kanzlerkandidat meint offenbar, erstaunliche Parallelen von Limo und SPD zu erkennen: Ziele müssen auf einem harten Weg gegen Bedenkenträger durchgesetzt werden – bis Millionen den „Kult“ erkennen.

Damit ist Steinmeier bei seinem Lieblingsblogthema: Der Deutschland-Plan. Die entsprechende PDF-Datei seines Konzepts mit dem Titel „Die Arbeit von morgen“", mit dem er vier Millionen neue Arbeitsplätze bis 2020 verspricht, steht nicht nur unter jedem Blogeintrag. Auch im Text wird – zuweilen mehrfach – auf „meinen Deutschland-Plan“ verlinkt oder aber auf die Reaktionen auf „meinen Deutschland-Plan“. Jeden Tag, die ganze Woche.

Daneben erfährt der Leser auch so allerhand Menschelndes. Nämlich, dass Frank-Walter normalerweise früh in den Tag startet: „Mein erster Termin im Auswärtigen Amt beginnt heute erst um 8.30 Uhr.“ Dass er mit dem Schauspieler Adnan Maral von der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ befreundet ist. Und, dass er bald ein Sonderkonzert von Peter Maffay in Salzgitter eröffnen wird, dessen Musik im Chemnitzer Ratskeller lief, während Frank-Walter eine Scholle aß. Am Wochenende schreibt Steinmeier angesichts der Dienstwagen-Affäre um Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sogar ein Wort zum Sonntag: „Es wundert mich immer wieder, wie schnell einige dabei sind, sofort 'Rücktritt' und 'Skandal' zu rufen, ohne den Betroffenen noch eine Chance zu geben. So dürfen wir nicht miteinander umgehen, finde ich.“

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