Wahlkampfauftakt
FDP umgarnt die Mittelschicht

FDP-Chef Guido Westerwelle hat beim bundesweiten Wahlkampf-Auftakt seiner Partei in Düsseldorf eine Stärkung der Mittelschicht angemahnt. Zentrales Wahlziel der Partei ist abermals eine umfassende Steuerreform. Der FDP-Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher nutzt die Gelegenheit, um gegen die Abwrackprämie zu wettern.

DÜSSELDORF. Die Mitarbeiter der FDP-Bundestagsfraktion erreicht vor gut zwei Wochen eine Mail aus dem Büro des Parlamentarischen Geschäftsführers Jürgen Koppelin: "Laut Meteorologen ist heute der heißeste Tag des Jahres. Damit Sie diesen Tag in Ihrem Sinne sommerlich verbringen können, ermöglicht Ihnen Herr Koppelin ab 15.00 Uhr Dienstbefreiung."

Die Pressestelle von Parteichef Guido Westerwelle kann das kurz vor der Bundestagswahl nicht glauben. Wutschnaubend geht nur ein paar Minuten später an die Mitarbeiter die elektronische Botschaft raus: "Soll das ein Witz sein? Wer schwitzt, kann ja gerne den obersten Hemdknopf öffnen, die Ärmel aufkrempeln und weiterarbeiten!"

Die Liberalen in der heißen Phase vor der Bundestagswahl. Angesichts der knappen Umfragewerte für eine Koalition von Union und FDP zählt jede Stunde, um die enge Mehrheit zu halten. Im mit 700 Zuhörern vollbesetzten "Alten Kesselhaus" in Düsseldorf krempelt Westerwelle am Donnerstagabend dann auch die Ärmel hoch. Der Oberliberale gibt das Startsignal für den Endspurt bis zum Wahltag am 27. September.

Er selbst sprüht vor Selbstbewusstsein. Am Nachmittag hat er bereits auf einer Pressekonferenz verkündet, dass er erstmals sein Bonner Direktmandat gewinnen will. Am Abend erklärt Westerwelle dann, warum Steuersenkungen machbar sind. Er wirbt um die vergessene Mitte, den Mittelstand und intoniert den Lagerwahlkampf gegen Rot-Rot-Grün.

Doch eines zeigt sich auch: Westerwelle setzt voll auf Schwarz-Gelb. Eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen kommt für ihn rein inhaltlich überhaupt nicht in Frage, wie er sagt. Eine gewagte Entscheidung nach elf Jahren harter Oppositionsbank. 60 Millionen Bürger, rechnet Westerwelle vor, lebten in Ländern, in denen Union und FDP regierten. Aber nach den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und dem Saarland hat sich der schwarz-gelbe Trend nicht verfestigt. "Für die Bundesebene ist alles beim Alten geblieben, da sind wir so schlau wie zuvor", sagt ein Vorstandsmitglied im "Alten Kesselhaus". Nur in Sachsen reicht es für Schwarz-Gelb - im Saarland und in Thüringen nicht.

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