Wahlkampfauftritt
Der Anti-Koch

Wer Christian Wulff dieser Tage bei seinen Wahlkampfauftritten beobachtet, der spürt: Hier präsentiert sich ein Anti-Koch. Die Debatte über straffällige Ausländer erhitzt das besonnene Gemüt des jüngsten deutschen Ministerpräsidenten. Warum Christian Wulff dennoch gute Chancen hat, bei der Landtagswahl gleich doppelt zu gewinnen.

HANNOVER. "So geht das einfach nicht!" Erstmals an diesem Tag wirkt Christian Wulff ernsthaft genervt. Eigentlich ist der niedersächsische Ministerpräsident ein Meister der Freundlichkeit und der Geduld - aber jetzt reicht es ihm.

Gerade will er das Peppermint-Park-Tonstudio auf dem ehemaligen Expo-Gelände in Hannover verlassen, da wird ihm schon wieder ein Mikrofon vor die Nase gehalten. "Nur mal eben 10 Fragen" will eine ZDF-Kollegin beantwortet haben. Doch selbst Wulffs Wahlkämpfer-Redseligkeit kennt Grenzen, nachdem er allein an diesem Morgen mindestens zwanzig Anfragen bedient hat.

Eigentlich ist er hier, um mit Gesprächen mit dem international erfolgreichen Hit-Produzenten und DJ Mousse T, einer Debatte mit dem Landesjugendring oder dem Auftritt im Schülerparlament im niedersächsischen Landtag sein jugendliches Image zu unterstreichen.

Doch seit sein hessisches Gegenstück Roland Koch die Republik mit der Debatte über straffällige Ausländer aufgewirbelt hat, ist der Medienrummel über die sonst eher beschauliche Welt in Niedersachsen hereingebrochen. "Stern", "Vanity Fair", "Zeit", Fernseh- und Radiosender - sie alle sind da und umschwirren den smarten Norddeutschen, den viele wegen seines Schwiegersohnimages und des ewig vorsichtigen Taktierens auf Bundesebene vor kurzem medial eher in die Kategorie "solider Langweiler" gepackt hatten.

Nicht dass der Landtagswahlkampf besonders aufregend wäre. Klar, bei der offiziellen Auftaktveranstaltung in Braunschweig verbreitet man auch in der niedersächsischen Tiefebene etwas Glamour-Stimmung, wenn die Halle dunkel wird und die Matadoren Wulff und Merkel zu pompöser Musik einmarschieren. Aber die Umfragen sehen Wulff derart weit vor seinem SPD-Herausforderer Wolfgang Jüttner, dass CDU-Wahlkampfmanager Ulf Thiele eigentlich nur noch eines fürchtet: eine niedrige Wahlbeteiligung.

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