Wahlkampfstrategen
Angie wird cool – Frank bleibt beim Bindestrich

Angesichts mieser Umfragewerte feilen die Wahlkampfstrategen von CDU und SPD am Image ihrer Kandidaten: Während die Christdemokraten auf eine coole und engagierte Kanzlerin setzen, gibt sich der Herausforderer Steinmeier konservativ – an einem Imagewechsel ist er nicht interessiert.

BERLIN. Gut ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl lässt sich immer besser erkennen, mit welchen Strategien CDU und SPD in den Wahlkampf ziehen werden. Die Christdemokraten wollen die Wähler in den nächsten Monaten von einer „coolen und engagierten“ Kanzlerin Angela Merkel überzeugen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier bleibt konservativ und plant keinen Imagewechsel. Nicht einmal aus wahltaktischen Gründen will er auf seinen Zweitnamen Walter verzichten.

Profilpflege haben sowohl CDU als auch die SPD nötig, die in den Umfragen weit unter ihren Erwartungen liegen. In welche Richtung es bei den Christdemokraten geht, deutet jetzt ein Buch an, das im März auf den Markt kommt. Titel des Werks: „Ab jetzt Begeisterung. Die Zukunft gehört den Idealisten“. Geschrieben hat es Dominic Veken, der für strategische Planung zuständige Geschäftsführer von Kolle Rebbe – der Hamburger Agentur, die schon für die CDU zusammen mit der Agentur Shipyard Kampagnen für die Wahlkämpfe in Hamburg, Sachsen-Anhalt und Hessen entworfen hat und nun auch für das Image der Bundespartei für die Europa- und Bundestagswahl zuständig ist.

Strategiechef Veken analysiert darin die derzeitige Situation Deutschlands: „Die Stimmung im Land nervös. Vermögen und Arbeitsplätze sind akut in Gefahr“. Doch weder eine Arbeitsmarktreform oder ähnlich soziale Kälte ausstrahlende Vorschläge finden sich in der Buchvorstellung des Verlags, die an das schlechten Abschneiden der Union im Wahlkampf 2005 erinnern. Die Lösung des Strategen lautet: „Gegen Orientierungslosigkeit hilft am besten Begeisterung. Kommen Ideale hinzu, die das Gebot der Stunde auf den Punkt bringen, und gibt es Vorbilder, die sie glaubhaft verkörpern, dann entstehen wirkungsstarke Bewegungen“. Doch mit den Vorbildern meint Veken nicht ausschließlich CDU-Chefin Angela Merkel. Für Veken sind es auch: „Jazz, Surfer, Rotarier, Hip-Hop, Harvard, Bionade und Barack Obama.“

Die CDU schickt sich also an, durch ein jugendlich wirkendes Image Begeisterung zu wecken. Die SPD will dagegen in den nächsten Wochen den bodenständigen Krisen-Slogan „Anpacken. Für unser Land“ verbreiten. Die Sozialdemokraten eröffneten dafür im Willy-Brandt-Haus ein Großraumbüro mit dem Namen „Nordkurve“, das als Wahlkampfzentrale dienen soll. Sie ersetzt die „Kampa“ früherer Zeiten. Statt Bionade und Hip-Hop soll die „Nordkurve“ die Fußballbegeisterung vieler Genossen ansprechen.

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