Wahlkampfstrategie 2009
CDU-Spitze setzt auf Volksmusik

Die CDU will sich bis zur Bundestagswahl besonders auf Senioren, Frauen und Jungwähler konzentrieren, um gestärkt in die Wahl zu gehen. Dazu will sich die CDU nicht nur programmatisch stärker den Zielgruppen annähern, sondern zählt auch auf die Unterstützung prominenter Künstler aus der Volksmusik und ehemaliger Spitzenpolitiker.

DÜSSELDORF. Das geht aus vertraulichen Strategiepapieren für den Bundestagswahlkampf 2009 („Zielgruppen Bundestagswahl 2009“) hervor, die der WirtschaftsWoche vorliegen und aktuell im Bundesvorstand und der Berliner CDU-Parteizentrale diskutiert werden. In den Papieren vollzieht die Partei den Wandel zur reinen Zielgruppenpartei, die sich bei jeder Wahl ihre Wähler neu sucht. Grund für den Strategiewechsel: Nur 15 bis 20 Prozent der Wähler seien fest mit der Union verbunden, 2005 hätten fast 20 Millionen Wähler also jeder Dritte nicht an der Entscheidung der Vorwahl festgehalten.

Deshalb sollen nicht mehr die Stammwähler, sondern die Wechselwähler im Mittelpunkt stehen. „Wollen Parteien Wahlen gewinnen, müssen sie die weit überwiegende Mehrheit ihrer Wähler jenseits ihrer traditionellen Wählermilieus ansprechen“, heißt es in den vertraulichen Papieren vom 16. und 25. Juli, die für die Parteivorsitzende Angela Merkel, Generalsekretär Ronald Pofalla und Bundesgeschäftsführer Klaus Schüler von den Strategieabteilungen der CDU-Parteizentrale erstellt wurden.

Mit „Lifestyle-Targeting“ und „Micro-Targeting“ will die Unions-Führung die von ihr ausgemachten entscheidenden drei Zielgruppen im Bundestagswahlkampf 2009 ansprechen: Senioren ab 60 Jahre, Frauen bis 45 Jahre und Erst- und Jungwähler bis 30 Jahre. „Wenn man in einer dieser drei ‚Großgruppen‘ prozentual auch nur geringfügige Einbußen erleidet, wirkt sich dies auf die Gesamtstimmenzahl dramatisch aus“, heißt es in den Papieren.

Insbesondere bei den bislang treuen Wählern über 60 hat die Union dramatisch verloren, stellt das Papier fest. So sei die Zustimmung zur Union bei den „Senioren 60 plus“ seit 1990 „dramatisch zurückgegangen“ von 51,7 Prozent auf 43,3 Prozent im Jahr 2005.

Gründe sind nach Einschätzung der CDU die Sorge um die Rente und die als bedrohlich empfundene Sorge der über 55-Jährigen vor dem Ruhestand und der schwindenden materiellen Absicherung. Deshalb will der Bundesvorstand im Januar 2008 eine „Kommission Zusammenhalt der Generationen“ einrichten, die Vorschläge erarbeiten soll zur „Flexibilisierung des Übergangs vom Berufsleben in den Ruhestand“, vor allem aber für „Chancen für Rentensteigerung“ in der Gruppe der über 50-Jährigen sowie für „staatliche Hilfen zur Rentensteigerung für Geringverdiener“.

Helfen sollen der CDU im Kampf um die Wechselwähler ehemalige Spitzenpolitiker wie die Ministerpräsidenten Bernhard Vogel, Erwin Teufel und Kurt Biedenkopf sowie die früheren Minister Rita Süssmuth, Ursula Lehr und Klaus Töpfer. Zudem sollen Senioren- und Jungpolitiker wie der JU-Chef Philipp Mißfelder und der Vorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, in „Tandem-Rednereinsätzen“ in den Wahlkampf gehen. Außerdem sollen Personen mit „hohem Ansehen“ bei der „S-Klasse“ (Senioren-Klasse) angesprochen werden wie der Showmaster Max Schautzer und „Repräsentanten der Volksmusik“.

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