Wahlprofil: Horst Seehofer (CDU)
Rebell

Es ist schon ein paar Wochen her, dass Horst Seehofer (CSU) die Flucht nach hinten antrat: "Ich werde nicht für irgendein Amt meine Überzeugung ändern." Das Amt ist das des Gesundheitsministers, die Überzeugung die, dass Merkels Kopfpauschale unsozial und völlig falsch ist.

Seehofer, Sozialexperte und Politik-Filou der Union, hat so nur bestätigt, was andere ihm längst bedeutet hatten: Mit den Überzeugungen des Gesundheitsministers aus Kohl-Zeiten ist kein CDU-Staat mehr zu machen. Mitte Juli bereits hatte CSU-Chef Edmund Stoiber deutliches Desinteresse an den bundespolitischen Ambitionen seines Vizes signalisiert: Er sorgte dafür, dass Bayerns Innenminister Günther Beckstein vor Seehofer auf der Landesliste platziert wurde. Bei der Wahl 2002 war es noch umgekehrt. Kein Wunder, dass der Rebell aus Ingolstadt auch nicht in Merkels Kompetenzteam auftauchen soll. Gar nicht gefragt in der Union ist der Vollblutpolitiker vor allem auch dann, wenn er sich - unkonventionell wirkend, aber höchst zielstrebig agierend - über Tabugrenzen hinwegsetzt. So etwa, als er im Frühjahr das Buch von Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine nicht nur vorstellte, sondern gleich noch die "neoliberale Irrlehre" frontal anging - und das zu einer Zeit, da er auch die Grundzüge der CDU-Sozialpolitik als neoliberal geißelte.

Der sensible 56-jährige CSU-Vize ist weiter ein außerst populärer Politiker, zumal in Bayern. Dort bringt er - nicht etwa CSU-Chef Stoiber - die Bierzelte zum Kochen. Jetzt aber ist er VdK-Verbandsfunktionär und wird vorerst nur noch von der Außenlinie aus in die große Bundespolitik eingreifen - oder quer schießen. rks

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