Wahlprofil
Parteisoldat Eichel

Kein anderer verkörpert in diesem Wahlkampf so sehr die SPD wie Hans Eichel. Der Bundesfinanzminister attackiert die Union, als wäre sie bereits die Regierung und er in der Opposition. Der 63-Jährige kämpft für die Wiederwahl des SPD-Kanzlers Schröder.

Kein anderer verkörpert in diesem Wahlkampf so sehr die SPD wie Hans Eichel. Der Bundesfinanzminister attackiert die Union, als wäre sie bereits die Regierung und er in der Opposition. Eichel fordert ein CDU-Konzept zur Sanierung der Staatsfinanzen, ohne ein eigenes vorzulegen. Der 63-Jährige kämpft für die Wiederwahl des SPD-Kanzlers Schröder - und kann sich doch eine große Koalition vorstellen, wenn auch nur prinzipiell.

Unter einer Unionskanzlerin Merkel aber wäre kein Platz für Schröder; für Eichel allerdings ebenso wenig. Allerdings glaubt in Berlin seit einigen Wochen - ganz prinzipiell - auch niemand mehr, dass Eichel unter Schröder Finanzminister bliebe: Seine Funktion als Sündenbock für die Haushaltsmisere endet mit dem Mandat der rot-grünen Bundesregierung. Diese Rolle lässt sich kaum zu einem Aufbruchssignal wandeln.

Genau dafür, für einen Aufbruch in solide Finanzpolitik, hatte der frühere hessische Ministerpräsident nach seinem Amtsantritt 1999 gestanden. Seine Steuerreform mit dem Umbau der Körperschaftsteuer und den Einkommensteuertarifsenkungen galt 2000 als großer Wurf, seine Haushaltspolitik als vorbildlich. Die Sparschweinsammlung auf dem Ministerschreibtisch unterstrich seine Glaubwürdigkeit.

Mit Beginn der Wirtschaftsflaute jedoch sank der Stern des Parteisoldaten, der sich stets der Regierungsräson unterwarf: Nur intern warnte Eichel vor den zu positiven Prognosen des Wirtschaftsministers. Was die SPD ihm zugestand an Subventionsabbau, blockierte die Union im Bundesrat. Den Platz im neuen Bundestag hat ihm die Partei gesichert - vermutlich auf der Hinterbank.

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