Wahlprofil
Wolfgang Gerhardt - Der Traditionalist

Wolfgang Gerhardt ist seinem Ziel ein Stück näher gekommen. Auf dem Wahlparteitag der FDP am kommenden Sonntag will ihn Parteichef Guido Westerwelle als Kandidat für das Außenministeramt vorstellen - für den Fall einer schwarz-gelben Regierung.

Die Entscheidung zieht einen offiziellen Schlussstrich unter das monatelange Gerangel um das Auswärtige Amt zwischen dem FDP-Fraktionschef und Westerwelle. Der hatte bis vor kurzem nicht ausgeschlossen, das Amt selbst anzustreben. In den letzten Wochen mehrten sich jedoch bereits die Anzeichen, dass Gerhardt - gestützt von den Parteigranden und der Fraktionsmehrheit - sich gegen Westerwelle durchsetzen würde. Mit einer Konkurrenz um dieses Amt durch CSU-Chef Edmund Stoiber rechnet in der FDP niemand mehr so recht.

Gerhardt verwies auf die Frage nach seinen Ambitionen bisher auf die "große Traditionslinie von Scheel, Genscher und Kinkel". Sein Terminkalender im Wahlkampf ließ aber nie einen Zweifel aufkommen, wie gerne er sich in diese einreihen würde. Der 61-Jährige eilte nach London und Paris. Mit dem britischem Außenminister Straw beriet er den EU-Beitritt Bulgariens und Rumäniens. Mit dem französischen Außenminister Douste-Blazy sprach er über die Türkei-Politik. Heute zurrt er in Berlin die außenpolitischen Grundsätze seiner Partei fest.

Zur Außenpolitik fand Gerhardt erst spät. Von 1987 bis 1991 war der promovierte Germanist und Politikwissenschaftler in Hessen Minister für Wissenschaft und Kunst. 1995 wählte ihn die FDP zum Bundesvorsitzenden und wies ihm damit die Rolle des Generalisten zu.

Dass Westerwelle ihn am Sonntag für das Amt des Außenministers vorschlagen will, dürfte Balsam auf seiner Seele sein. 2001 musste Gerhardt an Westerwelle nach sechs Jahren den Parteivorsitz abtreten, der ihn mit Hilfe Jürgen Möllemanns ins vorläufige Abseits geschoben hatte.

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