Wahlprogramm
CSU-Rebellin Pauli will die Ehe befristen

Gabriele Pauli, 50, Fürther Landrätin, geschieden, alleinerziehende Mutter und Bewerberin um den CSU-Vorsitz, hat ihr Wahlprogramm vorgestellt und es dabei so richtig krachen lassen: Ehen sollten künftig auf Zeit abgeschlossen werden, damit die Scheidungkosten sinken. In der Partei ist man wenig amüsiert über derlei ketzerische Gedanken.
  • 0

HB MÜNCHEN. Wenn „Ehen nach sieben Jahren auslaufen“ würden, könnten sich die Partner ohne großen Scheidungsaufwand trennen, sagte Pauli bei der Vorstellung ihres Programms am Mittwoch in München. Die Partner könnten dann aber auch „aktiv Ja sagen zu einer Verlängerung“.

„Das ist vielleicht ein Gedanke, an den man sich gewöhnen muss“, sagte Pauli. Aber „vielleicht lebt man außerhalb der Ehe besser“. Jede zweite Ehe werde geschieden, und viele Ehepartner blieben nur noch aus Angst vor Trennung, finanzieller Abhängigkeit oder Steuervorteilen oder zusammen. Aber nur die Liebe dürfe zählen. Das CSU-Programm gehe von einem Ideal aus. „Für mich ist die Familie eine andere Art von Konstruktion als für die CSU“, sagte Pauli. Der Staat dürfe nicht regeln, wie Menschen zusammenlebten.

Pauli sprach sich bei der Vorstellung ihres Wahlprogramms auch gegen das von einem Großteil der CSU geforderte Betreuungsgeld für Eltern aus, die ihre kleinen Kinder zu Hause erziehen. Außerdem ist Pauli gegen das von der CSU verfochtene Ehegattensplitting. Sie forderte stattdessen ein Familiensplitting, um damit nicht mehr die Ehe, sondern die Erziehung von Kindern zu fördern. Ferner forderte sie, Lehrer nach Leistung zu bezahlen und ihren Beamtenstatus zu überdenken.

Pauli sieht sich trotz ihrer den CSU-Grundsätzen widersprechenden Forderungen in der richtigen Partei: „Das Programm der CSU ist im Wesentlichen meines, es gibt nur wenige Dinge, die ich anders sehe.“ Sie warf der CSU aber Entfremdung von den Bürgern vor. Die Politik „von oben herab“ müsse sich ändern. Mit ihrer Kandidatur wolle sie ein Signal dafür geben, Politik wieder „wahrhafter und glaubwürdiger“ zu machen. In der CSU gebe es außerdem zu wenig Gleichberechtigung, kritisierte Pauli. Frauen, die in der Partei vorankämen, seien „automatisch den männlichen Ritualen und Denkweisen angepasst“.

Edmund Stoiber, den Pauli als CSU-Chef ablösen will, legte der Fränkin den Austritt aus der Partei nahe. Wer eine zeitlich befristete Ehe fordert, stelle sich „geradezu aggressiv konträr“ gegen die Position der CSU, sagte Stoiber am Mittwoch bei der Herbstklausur der Landtags-CSU in Kloster Banz. „Das wird überall abgelehnt, das wird nicht einmal diskutiert.“ Wer solche Forderungen erhebe, der solle sich „eher die Aufnahme in eine andere Partei überlegen“. Paulis Position sei bisher nicht einmal von den Grünen „oder bei exotischeren Parteien“ vertreten worden.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk nannte die Idee einer Ehe auf Zeit „völlig absurd“. Die stellvertretende Parteivorsitzende sagte: „Sie ist für die CSU indiskutabel und widerspricht diametral unserem Grundgesetz.“ Die katholische Kirche in Bayern warnte vor einem „Zerreden“ der Institution Ehe. „Ein Eheabschluss auf Zeit ist ein Widerspruch in sich, weil niemand eine Ehe eingeht, um sich eines Tages wieder zu trennen.“

Pauli werden bei der Wahl des Nachfolgers von Edmund Stoiber im Amt des CSU-Vorsitzenden nur Außenseiterchancen eingeräumt. Als Favorit gilt Erwin Huber, der bayerischer Wirtschaftsminister ist. Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer ist zwar an der CSU-Basis beliebt, dürfte die Delegierten des Parteitags aber nicht von sich überzeugen können.

Kommentare zu " Wahlprogramm: CSU-Rebellin Pauli will die Ehe befristen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%